Thema: Privat: Ehrenamt


Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 12.08.2013 um 13:05 zitieren

Ich möchte mich gerne engagieren und habe auch Ideen, die Frage ist ob meine zeitlichen Möglichkeiten überhaupt zu irgendetwas passen. Eine Organisation hier in der Stadt habe ich gefunden, die wohl bei der Suche nach dem passenden Einsatzgebiet behilflich ist. Da habe ich einen Termin.
Wie habt Ihr Eure Ehrenämter gefunden und was macht Ihr so? Und nur mal für mich persönlich würde ich gerne wissen, wieviel Zeit Ihr dafür aufbringt, ob meine zeitliche Vorstellungen überhaupt reell ist.
Danke für Eure Zeit und Eure Antworten - wenn welche kommen mögen

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Supernova
(121 Beiträge)
von Michelle am 12.08.2013 um 13:53 zitieren

Ich habe auch schon mal überlegt, mich ehrenamtlich zu engagieren. Ich weiß nur nicht, wie ich das zeitlich noch unterbringen sollte.

Das kommt auf meine Liste "Was ich alles vorhabe, wenn ich irgendwann in 100 Jahren mal in Rente bin"


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Rose
(47 Beiträge)
von office-hero12 am 12.08.2013 um 15:56 zitieren

Hallo Suse,

ich engagiere mich ehrenamtlich (im Rahmen der Möglichkeiten, die ich neben der sehr zeitintensiven Berufstätigkeit habe) und das macht mir viel Freude, gibt innere Ruhe und Befriedigung....

Das sind "nur" ca. 15-20 Stunden im Monat, aufgeteilt auf durchschnittlich ca 5h pro Woche - je nachdem, wie ich das möchte. Eine Sollzeit habe ich hier nicht zu erfüllen.

Ich kann dir nur dazu raten, dies weiterzuverfolgen. Es bringt einem selbst wirklich viel - so geht es zumindest mir!

Liebe Grüße
office-hero12

"Stil ist nicht das Ende des Besens"


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Supernova
(115 Beiträge)
von gitti am 13.08.2013 um 20:58 zitieren

Hallo Suse,
ich bin seit fast 20 Jahren für einen Sportverein mit einer Breitensportgruppe tätig. Ich gestehe, dass ich manchmal fluche, wenn ich abends wieder los muss, aber wenn ich dann in meiner Gruppe stehe und mit denen was mache, ist das einfach nur schön. Das hört sich jetzt vielleicht dumm an, aber irgendwie haben wir das Gefühl, wir werden zusammen alt und lassen es dann einfach etwas langsamer gehen.
An Zeitaufwand bedeutet das ca. 2,5 Std. pro Woche.
Und wenn ich mal irgendwann in Rente gehe, mache ich ganz sicher noch einen weiteren Job im Ehrenamt. Interessieren würde mich der Kontakt zu Häftlingen, die Gespräche etc.
Auf jeden Fall gibt es Auswahl genug.
Aber bitte schau, dass die zeitliche Belastung für dich o.k. ist und nicht zum Stress-Faktor wird.
Berichte hinterher doch mal, wie dein Gespräch gelaufen ist.
Gitti


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Newcomer
(1 Beiträge)
von Rina82 am 16.08.2013 um 10:54 zitieren

Hallo Suse,

also ich kann dir nur sagen es gibt immer und für jeden das passende. Vereine die auf ehrenamtliche angewiesen sind, sind froh um jede Hand. Ich kann aus Erfahrung sprechen, wir haben gerade einen 860 Mitglieder starken Turn- und Sportverein neu strukturiert und es ist ein Graus wenn man sieht wie viele Menschen sich wegducken wenn sie gefragt werden mal eine Kleinigkeit beizutragen.
Ich habe bei uns schon eine Weile aus dem Hintergrund mitgewirkt (bin durch die Familie vorbelastet), kann mir das ganz flexibel einteilen und bin im Zuge der Neuordnung nun Marketingleiterin geworden (klingt spektakulärer als es ist) - ich kann es absolut nicht in Stunden fassen weil es einfach nebenher passiert.
Es gibt bei uns Aufgaben die feste Anwesenheitszeiten erfordern (Gruppenbetreuung in unserem Fall), und es gibt Dinge die man sich ganz nach eigenem ermessen einteilen kann (alles was das Backoffice betrifft, von der Mitgliederverwaltung, über Marketingaufgaben wie Homepage-pflege oder das Vereinseigene, quartalsmäßig erscheinende News-Heft und hin und wieder mal Werbung für einen Flyer gestalten in unserem Fall). Oder eben Dinge die einfach hin- und wieder mal anfallen (Aufbau für ein Event, Kuchen backen oder mal ein Thekendienst an einem Termin den man sich selbst aussuchen kann).
Auf jeden Fall kann ich dir als Tipp mitgeben, etwas zu machen das dir viel Spaß macht / dich erfüllt und auch nein zu sagen wenn es nicht passt statt sich etwas aufwürgen zu lassen und dann dauernd gestresst zu sein. Ich bin sicher jeder Verein lässt einen mal reinschnuppern in die Aufgaben wenn man seine Mithilfe anbietet. Das hat den großen Vorteil, dass sich das Zeitproblem von ganz alleine löst - wenn man mit Spaß dabei ist, dann nimmt man die sich nämlich gerne und ohne darüber nachzudenken.

Also los, trau dich


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 22.08.2013 um 08:21 zitieren

Gestern hatte ich den Termin beim Freiwilligendienst, die mir einige Adressen raussuchen konnte, wo ich mir Mitarbeit gut vorstellen kann.
Persönlich von meiner Vorstellung her liegen und zeitlich sehr gut passen würde mir die Unterstützung in einem Hospiz. Da rufe ich als erstes an und frage nach.
Der Termin gestern hat mir auch klar gemacht, dass ich gerne etwas zeitlich festes haben möchte, nicht nach Bedarf oder mal so oder so.
Ich danke Euch für Eure Antworten und Anregungen, dir mir auch geholfen haben, mich konkreter auszudrücken bei meinen Vorstellungen.

Sonnigen Gruß an alle, Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(1158 Beiträge)
von esbe am 23.08.2013 um 10:59 zitieren
Zitat von Suse:

Gestern hatte ich den Termin beim Freiwilligendienst, die mir einige Adressen raussuchen konnte, wo ich mir Mitarbeit gut vorstellen kann. Persönlich von meiner Vorstellung her liegen und zeitlich sehr gut passen würde mir die Unterstützung in einem Hospiz. Da rufe ich als erstes an und frage nach. Der Termin gestern hat mir auch klar gemacht, dass ich gerne etwas zeitlich festes haben möchte, nicht nach Bedarf oder mal so oder so. Ich danke Euch für Eure Antworten und Anregungen, dir mir auch geholfen haben, mich konkreter auszudrücken bei meinen Vorstellungen. Sonnigen Gruß an alle, Suse

Hallo Suse,

Dein Engagement in allen Ehren, ich gehöre ja nun schon seit über 30 Jahren zu den Ehrenamtlichen Helfern in unserer Stadt und finde es toll, dass Du Deine Freizeit mit sozialem Engagement füllen willst, aber mir kommen da Bedenken, wenn ich einerseits lese, dass Du nach Sonnenbrillen auf Beerdigungen fragst, weil Du so weinen musst und auf der anderen Seite möchtest Du im Hospiz helfen.
Was sollst Du denn da machen? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es schon sehr schwer ist, im Seniorenheim das Elend der alten Leute zu sehen, die unter die Pflegestufe 2 und 3 fallen. Ich besuche mittlerweile meine Mutter jeden Tag im Seniorenheim, die alten "fitten" Leute dort freuen sich enorm, wenn Besuch "für alle" kommt. Gleichzeitig merkt man aber auch, wieviel Hilfe dort benötigt wird, denn das offizielle Pflegepersonal ist rar, es sind einfach zu wenig Pfleger und Pflegerinnen vor Ort.
Ich könnte mir vorstellen, dass im Bereich eines Hospizes die Arbeit und auch die ehrenamtliche Hilfe noch schwieriger und anstrengender ist und man abends nicht so schnell abschalten kann und gedanklich belastende Dinge im Kopf mit nach Hause nimmt.
Aber Ehrenamt heißt ja nicht Pflicht für immer, wenn es Dir nicht liegt, kannst Du ja bestimmt auf ein anderes Einsatzgebiet wechseln.

Toll, dass Du so etwas machst

Liebe Grüße

esbe

Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.


Antwort: Re: Re: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 26.08.2013 um 14:27 zitieren
Zitat von esbe:

Hallo Suse, Dein Engagement in allen Ehren, ich gehöre ja nun schon seit über 30 Jahren zu den Ehrenamtlichen Helfern in unserer Stadt und finde es toll, dass Du Deine Freizeit mit sozialem Engagement füllen willst, aber mir kommen da Bedenken, wenn ich einerseits lese, dass Du nach Sonnenbrillen auf Beerdigungen fragst, weil Du so weinen musst und auf der anderen Seite möchtest Du im Hospiz helfen. Was sollst Du denn da machen? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es schon sehr schwer ist, im Seniorenheim das Elend der alten Leute zu sehen, die unter die Pflegestufe 2 und 3 fallen. Ich besuche mittlerweile meine Mutter jeden Tag im Seniorenheim, die alten "fitten" Leute dort freuen sich enorm, wenn Besuch "für alle" kommt. Gleichzeitig merkt man aber auch, wieviel Hilfe dort benötigt wird, denn das offizielle Pflegepersonal ist rar, es sind einfach zu wenig Pfleger und Pflegerinnen vor Ort. Ich könnte mir vorstellen, dass im Bereich eines Hospizes die Arbeit und auch die ehrenamtliche Hilfe noch schwieriger und anstrengender ist und man abends nicht so schnell abschalten kann und gedanklich belastende Dinge im Kopf mit nach Hause nimmt. Aber Ehrenamt heißt ja nicht Pflicht für immer, wenn es Dir nicht liegt, kannst Du ja bestimmt auf ein anderes Einsatzgebiet wechseln. Toll, dass Du so etwas machst :-* :engel: Liebe Grüße esbe :blume:

Liebe Esbe,

hier also der zweite Versuch, Dir zu antworten.

Deine Frage macht Sinn. In etwa sagte ich heute Morgen, dass für mich der Unterschied in den Personen liegt, um die es geht. Zu meiner Kollegin hatte ich eine Bindung, die Menschen, die dort leben kenne ich nicht näher, da kann ich eher Distanz wahren. Das ist mir schon öfter im Krankenhaus bei Besuchen von Familie/Freunden aufgefallen. Ich kann Mitgefühl zeigen, aber es berührt mich nicht auf die Art und Weise wie das Schicksal des Menschen, den ich da besuche. Verstehst Du was ich meine?
Und ob das im Hospiz wirklich klappt, muß sich jetzt auch noch zeigen, erst mal gilt es den Kontakt herzustellen und sich und die Aufgaben kennenzulernen. Für beide Seiten soll es ja ein Gewinn sein.

Und was ich noch geschrieben habe, weiß ich jetzt nicht mehr..

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Re: Re: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 26.08.2013 um 15:51 zitieren
Zitat von Suse:

Liebe Esbe, hier also der zweite Versuch, Dir zu antworten. Deine Frage macht Sinn. In etwa sagte ich heute Morgen, dass für mich der Unterschied in den Personen liegt, um die es geht. Zu meiner Kollegin hatte ich eine Bindung, die Menschen, die dort leben kenne ich nicht näher, da kann ich eher Distanz wahren. Das ist mir schon öfter im Krankenhaus bei Besuchen von Familie/Freunden aufgefallen. Ich kann Mitgefühl zeigen, aber es berührt mich nicht auf die Art und Weise wie das Schicksal des Menschen, den ich da besuche. Verstehst Du was ich meine? Und ob das im Hospiz wirklich klappt, muß sich jetzt auch noch zeigen, erst mal gilt es den Kontakt herzustellen und sich und die Aufgaben kennenzulernen. Für beide Seiten soll es ja ein Gewinn sein. Und was ich noch geschrieben habe, weiß ich jetzt nicht mehr.. :verrueckt: Suse

Hallo Suseeeeee

zunächst bin ich froh, dass Du die Beerdigung (in Anbetracht der ganzen Situation) relativ gut hinter Dich gebracht hast

Ein Stück weit stimme ich Esbe zu. Die ehrenamtliche Arbeit in einem Hospiz ist sicherlich nicht ohne. Gerade für Menschen, die sowieso eher nahe am Wasser gebaut sind, ist so eine Tätigkeit sicherlich nichts.

Sicher, Du schreibst, dass Du bestimmt die Distanz wahren kannst, weil Du die Leute im Hospiz eher "oberflächlich" kennen lernst und nicht so tiefe Gefühle hast. Aber meinst Du nicht auch, dass man in solchen Situationen den Menschen sehr sehr nahe kommt und diese einem dann doch sehr schnell ans Herz wachsen?

Ein Mensch, der im Sterben liegt, braucht die uneingeschränkte Hilfe und auch Aufmerksamkeit. Du kommst diesen Leuten also verdammt nah und stehst ihnen in der schlimmsten Zeit ihres Lebens bei Seite. Ich glaube nicht, dass man dann noch so die Distanz wahren kann, abends nach Hause geht und die "Sache" abhakt. Das ist kein normaler Job, bei dem man einfach die Akten bei Seite schiebt und Feierabend macht.

Du wirst es dort mit alten, aber auch mit sehr jungen Menschen zu tun bekommen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. Menschen, die noch nicht gehen, sondern leben wollen. Diese Leute begleitest Du in den Tod. Ich könnte das nicht, egal, ob mir ein Mensch nahe steht oder es in diesem Fall ein Fremder für mich wäre.

Ein Beispiel:

Ein Bekannter meiner Mutter hatte vor zwei Jahren seinen Job verloren. Ihm bot sich die Möglichkeit an, bei einem Bestatter zu arbeiten. Nach ein paar Tagen Probearbeit beim Bestatter hat er sich auch für diesen Job entschieden, als Hilfskraft quasi. Der Job hat ihn total gereizt, er wollte auch mal was ganz anderes machen.

Den Job beim Bestatter hat mein Bekannter zwei Jahre ausgeübt, hat viele viele schlimme Unfallopfer etc. sehen müssen und ist nun psychisch ein totales Wrack. Er hat tote Menschen in jeglichen Situationen abholen müssen, darunter Erhängte, Opfer durch Bahnunfälle, Verkehrstote etc. - ihm wurde also nichts erspart, es war sein Job.

Der Arme ist nun in psychologischer Behandlung. Er war immer sehr taff und ihn konnte überhaupt nichts aus der Fassung bringen, geschweige denn umwerfen. Seinen Vater hat er vor zig Jahren auch sterben sehen. Aber dieser Job beim Bestatter hat ihm letztendlich gebrochen. Er ist psychisch am Ende.

Ich schreibe das nicht aus Spaß an der Freude. Ich möchte Dir lediglich aufzeigen, dass ein Mensch manche Dinge nicht einfach so wegstecken kann, auch wenn er denkt, dass er es könnte. Gerade Menschen, die wie Du sehr gefühlvoll sind, leiden unter bestimmten Dingen. Das fällt vielleicht nicht am Anfang auf, aber auf Dauer hat Dein Unterbewusstsein evtl. ein Problem.

Du solltest also noch mal in Dich hören und schauen, ob es da nicht doch noch etwas anderes gibt. Vielleicht könntest Du Dich auch abends als "ehrenamtliche Babysitterin" anbieten. Es gibt viele Familien, die sich keinen bezahlten Babysitter leisten können. Denen könntest Du dann mal für einen Tag oder Abend die Kinder babysitten oder aber den Kindern Nachhilfe für die Schule anbieten?! Keine Ahnung, was es da noch gibt.

Ich bin sehr gespannt, wie es bei Dir weitergehen wird. Jedenfalls drücke ich Dir feste die Daumen

GGLG, Melsi

PS:
Ab morgen bin ich mal wieder ein paar Tage im Urlaub. Ich besuche mein Patenkind - die kleine Maus wird 2 Jahre alt und ich freue mich schon sehr auf die Zuckerpuppe


Antwort: Re: Re: Re: Re: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 27.08.2013 um 10:44 zitieren
Zitat von Melsi:

Hallo Suseeeeee :-) zunächst bin ich froh, dass Du die Beerdigung (in Anbetracht der ganzen Situation) relativ gut hinter Dich gebracht hast :-) Ein Stück weit stimme ich Esbe zu. Die ehrenamtliche Arbeit in einem Hospiz ist sicherlich nicht ohne. Gerade für Menschen, die sowieso eher nahe am Wasser gebaut sind, ist so eine Tätigkeit sicherlich nichts. Sicher, Du schreibst, dass Du bestimmt die Distanz wahren kannst, weil Du die Leute im Hospiz eher "oberflächlich" kennen lernst und nicht so tiefe Gefühle hast. Aber meinst Du nicht auch, dass man in solchen Situationen den Menschen sehr sehr nahe kommt und diese einem dann doch sehr schnell ans Herz wachsen? Ein Mensch, der im Sterben liegt, braucht die uneingeschränkte Hilfe und auch Aufmerksamkeit. Du kommst diesen Leuten also verdammt nah und stehst ihnen in der schlimmsten Zeit ihres Lebens bei Seite. Ich glaube nicht, dass man dann noch so die Distanz wahren kann, abends nach Hause geht und die "Sache" abhakt. Das ist kein normaler Job, bei dem man einfach die Akten bei Seite schiebt und Feierabend macht. Du wirst es dort mit alten, aber auch mit sehr jungen Menschen zu tun bekommen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. Menschen, die noch nicht gehen, sondern leben wollen. Diese Leute begleitest Du in den Tod. Ich könnte das nicht, egal, ob mir ein Mensch nahe steht oder es in diesem Fall ein Fremder für mich wäre. Ein Beispiel: Ein Bekannter meiner Mutter hatte vor zwei Jahren seinen Job verloren. Ihm bot sich die Möglichkeit an, bei einem Bestatter zu arbeiten. Nach ein paar Tagen Probearbeit beim Bestatter hat er sich auch für diesen Job entschieden, als Hilfskraft quasi. Der Job hat ihn total gereizt, er wollte auch mal was ganz anderes machen. Den Job beim Bestatter hat mein Bekannter zwei Jahre ausgeübt, hat viele viele schlimme Unfallopfer etc. sehen müssen und ist nun psychisch ein totales Wrack. Er hat tote Menschen in jeglichen Situationen abholen müssen, darunter Erhängte, Opfer durch Bahnunfälle, Verkehrstote etc. - ihm wurde also nichts erspart, es war sein Job. Der Arme ist nun in psychologischer Behandlung. Er war immer sehr taff und ihn konnte überhaupt nichts aus der Fassung bringen, geschweige denn umwerfen. Seinen Vater hat er vor zig Jahren auch sterben sehen. Aber dieser Job beim Bestatter hat ihm letztendlich gebrochen. Er ist psychisch am Ende. Ich schreibe das nicht aus Spaß an der Freude. Ich möchte Dir lediglich aufzeigen, dass ein Mensch manche Dinge nicht einfach so wegstecken kann, auch wenn er denkt, dass er es könnte. Gerade Menschen, die wie Du sehr gefühlvoll sind, leiden unter bestimmten Dingen. Das fällt vielleicht nicht am Anfang auf, aber auf Dauer hat Dein Unterbewusstsein evtl. ein Problem. Du solltest also noch mal in Dich hören und schauen, ob es da nicht doch noch etwas anderes gibt. Vielleicht könntest Du Dich auch abends als "ehrenamtliche Babysitterin" anbieten. Es gibt viele Familien, die sich keinen bezahlten Babysitter leisten können. Denen könntest Du dann mal für einen Tag oder Abend die Kinder babysitten oder aber den Kindern Nachhilfe für die Schule anbieten?! Keine Ahnung, was es da noch gibt. Ich bin sehr gespannt, wie es bei Dir weitergehen wird. Jedenfalls drücke ich Dir feste die Daumen :-) GGLG, Melsi PS: Ab morgen bin ich mal wieder ein paar Tage im Urlaub. Ich besuche mein Patenkind - die kleine Maus wird 2 Jahre alt und ich freue mich schon sehr auf die Zuckerpuppe :-)

Liebe Melsi,

danke auch für Deine Gedanken. Kann nicht abstreiten, dass Du die richtigen Argumente bringst. Aber unter all den möglichen Hilfsvorschlägen hat mich diese Arbeit besonders angesprochen. Ich habe einen Termin zum persönlichen Kennenlernen und Gespräch mit der verantwortlichen Mitarbeiterin und ich denke, das wird ausschlaggebend sein. Für beide Seiten muss es das richtige sein.
Ich habe dann auch noch andere Vorschläge liegen mit denen ich mich auch beschäftige, wenn sich dieser als nicht realisierbar herausstellt.
Insbesondere mit Kindern fehlt mir die Erfahrung, ich würde mich da nicht als prädestiniert für diese Arbeiten betrachten
Ich berichte gerne wieder.

Schöne Tage mit Deinem Patenkind.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Supernova
(115 Beiträge)
von gitti am 27.08.2013 um 18:38 zitieren

Hallo Suse,
die Idee, für ein Hospiz zu arbeiten, finde ich sehr, sehr schön. Sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen, heißt auch, sich intensiv dem Leben zu widmen. Insofern glaube ich, dass du durch solch eine Tätigkeit innerlich ernorm wachsen kannst (und vermutlich musst, denn sonst hältst du das wahrscheinlich gar nicht aus).
Ich wünsche dir von Herzen viele gute Erfahrungen!
Gitti


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(456 Beiträge)
von Julia am 28.08.2013 um 14:55 zitieren

Hallo Suse,

als mein Vater so krank war, dass wir einen Platz im Hospiz für ihn suchen mussten, war ich als Angehörige sehr froh, dass es ehrenamtliche Kräfte dort gab.

Mein Vater war nur kurze Zeit im Hospiz und verstarb dort. Meine Mutter, mein Bruder und ich haben uns in dieser Zeit sehr intensiv um ihn gekümmert und waren fast die ganze Zeit über abwechselnd bei ihm - sogar in den letzten Nächten.

Die Frauen, die dort ehrenamtlich tätig waren/sind, haben sich in unserem Fall gar nicht so sehr um meinen kranken Vater kümmern müssen, das taten wir selbst. Sie haben viel mehr dafür gesorgt, dass wir Angehörige auftanken konnten, Kraft schöpfen konnten und im Zweifelsfall jemanden zum Reden oder gemeinsamen Schweigen hatten.

Mir persönlich hat es in dieser Zeit sehr geholfen. Da waren beispielsweise die frischen Blumen und Kleinigkeiten, die überall standen (und eine gute Atmosphäre schafften) oder beispielsweise die Tasse Kaffee, die mir gereicht wurde, ohne dass ich lange fragen oder suchen musste. Wenn ich bei meinem Vater abgelöst wurde, konnte ich nicht gleich wieder in den Alltag gehen. Ich brauchte immer noch einen Augenblick für mich und habe mich irgendwo im Hospiz zurückgezogen, mich z. B. an ein Fenster gestellt und nach draußen geschaut und versucht, irgendwie mit der Situation klarzukommen. Das waren dann Momente, in denen mir möglicherweise ungefragt und still ein Taschentuch gereicht wurde oder einfach nur jemand aufmerksam war. In einer Lebenssituation, in der es nur um den sterbenskranken Menschen geht, habe ich das als sehr wertvoll wahrgenommen. Da war jemand, dem ich nichts erklären musste. Ein Mensch, der sensibel genug war zu erkennen, ob ich reden möchte oder nicht. Jemand, der sich Zeit genommen hat und einfach "nur" da war. Mir hat das wirklich gut getan.

Auch das kann ein Aspekt einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Hospiz sein.

Ganz liebe Grüße
Julia


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Tulpe
(12 Beiträge)
von balo am 29.08.2013 um 11:28 zitieren

Liebe Suse,

im Hospiz zu arbeiten - ob ehren- oder hauptamtlich - verlangt von dir schon eine Menge. Wenn du dich stabil genug fühlst, probiere es aus.

Mir fallen außer Sportverein noch andere Bereiche ein - soziale, politische, gewerkschaftliche ...

Aus eigener Erfahrung kann ich aus vollem Herzen office-hero12 zustimmen: Überlege dir, wie viele Stunden du wann "spenden" kannst (in der Woche, im Monat, an welchen Tagen ...) und mit welches Know-how du in die Waagschale werden kannst.

Wenn dein so definiertes Angebot auf dem Tisch liegt, wirst du wahrscheinlich erst einmal in große Augen schauen, weil die meisten Leute in ihrem Verein/in ihrer Institution oft loswurschteln. Aber letztlich ist es für alle gut zu wissen, woran man gegenseitig ist.

Ein Ehrenamt ist eine tolle Sache, aber es sollte dich nicht mit Haut und Haaren auffressen. Und das passiert schnell - weil man ja "Gesinnungstäterin" ist.

Herzliche Grüße und viel Erfolg
balo


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 02.10.2013 um 08:46 zitieren

Wollte mal aktualisieren, dass ich mittlerweile das Kennenlerngespräch hatte und an einem Gruppentreffen der Ehrenamtlichen teilgenommen habe und nächste Woche in die Einarbeitung starte. Bin nach wie vor entschlossen. Die Realität wird dann zeigen, ob es das richtige für mich ist. Wenn ich mich entschließe mitzumachen, wird es auch begleitende Kurse für mich geben. Darum kümmert sich dann das Hospiz.
Melde mich hierzu mal wieder.

Schönen Feiertag morgen und allen, denen es möglich ist, schönes langes Wochenende.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Privat: Ehrenamt

Supernova
(121 Beiträge)
von Michelle am 09.10.2013 um 08:39 zitieren

Ich habe kürzlich in der Zeitung gelesen, dass meine Nachbarin beim Kinderschutzbund tätig ist. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt betreuen sie die Besuche von Kindern und Eltern, die sich nur unter Aufsicht sehen dürfen. Aktuell suchen sie noch ehrenamtliche Mitglieder.

Ich hatte schon überlegt, sie mal anzusprechen. Blöd ist nur, dass ich aufgrund meiner chronischen Erkrankung immer so viel Zeit bei Ärzten im Wartezimmer verschwenden muss. Da bleibt mir leider nicht so viel Freizeit für andere Dinge. Aber ich denke, fragen kostet nichts .


Antwort: Re: Re: Privat: Ehrenamt

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 10.10.2013 um 13:57 zitieren
Zitat von Michelle:

Ich habe kürzlich in der Zeitung gelesen, dass meine Nachbarin beim Kinderschutzbund tätig ist. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt betreuen sie die Besuche von Kindern und Eltern, die sich nur unter Aufsicht sehen dürfen. Aktuell suchen sie noch ehrenamtliche Mitglieder. Ich hatte schon überlegt, sie mal anzusprechen. Blöd ist nur, dass ich aufgrund meiner chronischen Erkrankung immer so viel Zeit bei Ärzten im Wartezimmer verschwenden muss. Da bleibt mir leider nicht so viel Freizeit für andere Dinge. Aber ich denke, fragen kostet nichts :-) .

Hallo Michelle,

ich denke auch, fragen kostet nichts.
Und ich habe festgestellt, dass man auf Seiten der "Empfänger" über jeden Einsatz dankbar ist, auch wenn er sich im Meer des Bedarfs vielleicht nur klein darstellt. Aber jede "Lücke", die gedeckt ist, läßt deren Arbeit rund(er) laufen.
Ich strebe z.B. einen festen Abend in der Woche an, wo ich tätig sein möchte. Das klingt auch für mich an sich wenig, aber ich habe schon verstanden, dass da wo ich jetzt bin, die Abendstunden meist unbesetzt sind, also ist das dann auch wieder eine Hilfe.
Sprich die Nachbarin doch einfach mal an und lass Dir von ihr berichten worum es genau geht und welcher Zeitaufwand für den jeweiligen Besuch eingeplant ist. Vielleicht ist der Umfang der begleitenden Tätigkeit so, dass Du das auch neben den verflixten Wartezimmerzeiten hinbekommen kannst.
Ansonsten hatte ich hier in meiner Stadt die Möglichkeit, mich in einem Freiwilligenzentrum beraten zu lassen, evlt. steht Dir so eine Möglichkeit auch zur Verfügung.

Suse

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