Thema: Frustriert und gelangweilt


Tulpe
(18 Beiträge)
von Nati am 21.02.2013 um 17:17 zitieren

Hallo Ihr Lieben,

heute ist wieder so ein Tag an dem ich mich fürchterlich über meinen Chef geärgert habe. Eigentlich vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht abends total genervt und frustriert nach Hause fahre. Ich arbeite seit 4 Jahren mit meinem Chef zusammen und in der Zeit habe ich mich von der „rechten Hand des Chefs“ zum Handlanger entwickelt. Früher (bei meinem alten Chef) war ich bei Personalgesprächen und Kundenterminen dabei, heute werde ich hauptsächlich mit Faxen, Scannen und Kopieren beschäftigt. Das Problem ist, dass er eine Assistentin genauso sieht, jemand der die Post verteilt, gewisse Dinge koordiniert und organisiert, aber nicht mehr. Dass das früher hier mal anders war (und auch anders geht) interessiert ihn gar nicht. Er scharrt seine 3 Lieblingsmitarbeiter um sich (Key Account und Marketing Manager) und mit denen macht er alles. Die nehmen auch alles an, stellen keine Fragen und machen alles was er sagt. Wir (also ich, unsere Innendienstleiterin und die Sachbearbeiter) werden in nichts mehr eingebunden und bekommen keine Infos. Wir sind auch eher diejenigen, die die Dinge hinterfragen und versuchen alles in die richtigen Bahnen zu lenken (und natürlich sind wir auch immer diejenigen die hinterher immer den Karren aus dem Dreck ziehen dürfen wenn etwas schief gelaufen ist).
Ich fühle mich echt total unterfordert und gelangweilt. Habe mittlerweile schon 2 Gespräche mit ihm hierüber geführt und ihn gebeten, mich mehr einzubinden und mir auch andere Aufgaben zu geben. Geändert hat sich nichts. Er spielt den Ball immer zurück indem er Sachen sagt wie „Dann überlegen Sie sich doch mal was Sie gerne machen würden“. Vorschläge, wie man gewisse Dinge besser organisieren könnte oder Ähnliches werden dann aber wieder abgeblockt.

Ich habe eigentlich einen ruhigen Job und verdiene dafür noch relativ viel Geld. Trotzdem macht mich das natürlich nicht glücklich, im Gegenteil. Es nagt schon an meinem Selbstwertgefühl, da ich denke, dass ich für meinen Job total überbezahlt bin.

Wem geht es ähnlich und was würdet Ihr an meiner Stelle machen? Nochmal das Gespräch zum Chef suchen (habe nicht das Gefühl, dass das irgendetwas bringt)? Einen neuen Job suchen (ich schaue mich schon um). Danke für Eure Ratschläge.

Liebe Grüße,
Nati


Antwort: Re: Frustriert und gelangweilt

Königin
(258 Beiträge)
von Zausel am 22.02.2013 um 11:31 zitieren

Hallo Nati,

ich kenne das auch, wenn man eher ein \"Schaffer\" ist und dann nicht genug zu tun hat. Nur hatte das bei mir seienrzeit einen anderen Hintergrund, es war einfach nicht genügend Aufgaben da. Aber egal wie, es macht auf Dauer definitiv unzufreiden.

Ich würde jetzt folgendermaßen vorgehen:

- noch ein Gespräch mit Chef wird nichts ändern, deshalb weglassen
- genieße Dein schönes Gehalt, mach die Arbeit, die von Dir verlangt wird und geh abends nach Hause mit dem Gedanken, die wollen es nicht anders, deshalb mache ich mich nicht verrückt
- such Dir während dieser Zeit in Ruhe einen neuen Job

Grüße
Zausel


Antwort: Re: Frustriert und gelangweilt

Tulpe
(18 Beiträge)
von Nati am 22.02.2013 um 13:21 zitieren

Hallo Zausel,

danke für Deine Antwort. Ich werde mich weiter nach anderen Jobs umschauen. Ist echt blöd wenn man gerne (viel) arbeiten will aber irgendwie immer ausgebremst wird.

Viele Grüße,
Nati


Antwort: Re: Frustriert und gelangweilt

Kaiserin
(456 Beiträge)
von Julia am 22.02.2013 um 14:29 zitieren

Hallo Nati,

Deine Frustration kann ich gut nachvollziehen. Für mich wäre es ähnlich schlimm.

Aber Zausel hat schon recht. Wenn Gespräche nichts bringen und alle Vorschläge abgeblockt werden, dann wollen sie\'s ja nicht anders. Dass Du für die Arbeiten, die Du (ausschließlich) erfüllst überqualifiziert und überbezahlt bist, fällt ihnen (also den Menschen wie Deinem Chef) noch nicht einmal auf.

Manchmal lässt sich aber im eigenen Unternehmen eine zusätzliche Nische erobern. Vielleicht gibt es bei euch ja auch irgendetwas, das Du Dir an Land ziehen kannst, damit Du wenigstens den Frust loswirst und das Gefühl hast Dein Gehalt auch verdient zu haben. Leider kann ich Dir jetzt keine konkreten Tipps geben, weil ich das Unternehmen nicht kenne. Aber es könnte so ein Projekt sein wie ein Intranet (da gibt es ganz unterschiedliche und leicht bedienbare Software und heutzutage muss dafür niemand mehr programmieren können).

Manchmal gibt es auch bestimmte \"Mangelzustände\" im Betrieb, denen leicht abzuhelfen wäre, wenn sich nur mal jemand darum kümmert.

Überleg mal, ob es da etwas gibt, das Du in Angriff nehmen kannst.

Hast Du auch schon mal mit anderen gesprochen? Ich denke da an die Personalabteilung oder einen Betriebsrat.
Bei uns gibt es immer wieder mal Bereiche, die vor Arbeit \"zusammenbrechen\" (durch längere Krankenstände oder anderen Faktoren) und andere, in denen die Kapazitäten nicht ganz so ausgelastet sind oder Kolleg(inn)en, die Arbeitszeit aufstocken möchten. Da kann man sich - koordiniert durch die Personalabteilung - gegenseitig unterstützen. Dieses Engagement wird in unserem Betrieb sehr gut angesehen und hat für keinen Bereich negative Auswirkungen.

In jedem Fall wünsche ich Dir - wie auch immer - interessante Aufgaben und das Wiederfinden von Motivation, Freude und Zufriedenheit nach einem angefüllten Arbeitstag.

Erzähl gern mal, wie es bei Dir weiter geht.

Viel Erfolg und liebe Grüße

Julia


Antwort: Re: Frustriert und gelangweilt

Newcomer
(9 Beiträge)
von LenaP am 10.04.2013 um 23:17 zitieren

Halo Nati !

Ich denke auch so wie Zausel.
Gahalt genießen und sich nach einem anderen Job umsehen. Alles andere ist wohl vergebene "Liebesmüh"

Viel Glück
LenaP


Antwort: Re: Re: Frustriert und gelangweilt

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 15.04.2013 um 09:38 zitieren
Zitat von LenaP:

Halo Nati ! Ich denke auch so wie Zausel. Gahalt genießen und sich nach einem anderen Job umsehen. Alles andere ist wohl vergebene "Liebesmüh" Viel Glück LenaP

Hallo Lena,

im anderen Thread habe ich dir ja schon eine ausführliche Antwort geschrieben. Aber auch hierzu möchte ich noch etwas schreiben: Mir gefällt die Antwort von Julia zu den schlummernden Themen sehr gut. Insbesondere ein Intranetauftritt kann eine tolle Sache sein, um seine Kenntnisse zu erweitern und sich so weiterzuqualifizieren.

Viele Vorgesetzte trauen der Assistentin nicht zu, anspruchsvolle betriebswirtschaftliche Themenfelder zu bearbeiten. Abgesehen davon geht das ab einer bestimmten Tiefe auch gar nicht; da braucht es schon fundiertes Expertenwissen.

Aber was spricht dagegen, dass du dir genau dieses Expertenwissen nebenberuflich aneignest?! Ich denke da an ein BWL-Fernstudium (z. B. an der Fernuni Hagen) oder auch an den Management-Schulen wie z. B. der FOM. Wichtig ist bei allen Weiterbildungen und Studiengängen, dass du einen anerkannten Abschluss (Bachelor oder Master) in Händen hältst - ohne bzw. mit lediglich einem Teilnahmezertifikat ist solch ein Studium nämlich nichts wert.

M. E. geht der Trend ohnehin dahin - sofern nicht schon von Beginn an, so zumindest gleich anschließend an die Ausbildung noch ein BWL-Studium draufzusatteln. Bei uns im Unternehmen macht das mittlerweile nahezu jeder kfm. Ausgebildete. Wenn du da also mithalten und etwas wirklich Anspruchsvolles bearbeiten möchtest, wirst du um eine solche Qualifikation nicht umhin kommen.

Alle anderen Tätigkeit - und das sind neben den Assistentinnenstellen heutzutage auch die meisten Sachbearbeiterposten - bleiben gedeckelt, wenn du dich ohne Studium da einarbeiten willst. Und nehme ich mal deine diversen Postings zusammen, so lese ich daraus, dass es dich zu Anspruchsvollerem und Hochwertigem hinzieht.

Viele Grüße
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Sorry..

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 15.04.2013 um 21:05 zitieren

Ups, habe gerade gesehen, dass dieser Beitrag ja gar nicht von Lena stammt, sondern von Nati. Naja, macht nix. Trotzdem sorry!
LG
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Re: Frustriert und gelangweilt

Tulpe
(18 Beiträge)
von Nati am 16.04.2013 um 14:15 zitieren

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank erstmal für Eure Antworten.

@Kirsten, ich glaube Du hast Recht. Mit dem Thema Studium hätte ich mich wohl schon mal eher beschäftigen sollen. Ich komme halt eigentlich aus einer Branche (Hotellerie) in der man nicht unbedingt ein Studium benötigt und trotzdem Karriere machen kann. In meinem jetztigen Arbeitsumfeld ist das natürlich anders und genau dies fällt mir jetzt auf die Füße.

Ich habe schon hin und her überlegt welche Themen ich hier angehen könnte bzw. welche Aufgaben ich mir an Land ziehen könnte. Da ich aber in einem sehr großen Unternehmen arbeite, ist hier alles sehr genau strukturiert und aufgeteilt. Personalabteilung und Betriebsrat kann man hier leider nicht trauen, daher fällt das schon mal weg.

Naja, ich will jetzt nicht länger jammern. Habe die Tage ein Gespräch bei einer Personalvermittlung und schaue mal, was daraus wird. Halte Euch auf dem Laufenden.

LG,
Nati


Antwort: Re: Frustriert und gelangweilt

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 17.04.2013 um 10:33 zitieren

Hallo Nati,

wenn du in einem großen Unternehmen tätig bist, dann kann ich deine Situation noch besser nachempfinden. Meine Situation war ähnlich, genauso wie offensichtlich das Umfeld.

Gerade in den Großunternehmen darf die Assistentin i. d. R. auch nur Assistentinnentätigkeiten ausüben - denn für alles andere gibt es eben andere Experten. Das macht zum Teil auch Sinn, wie z. B. beim Intranetauftritt - ansonsten wird alles schnell bunt, wirkt unstrukturiert - damit tut sich ein großes Unternehmen kein Gefallen. Man muss also Spezialwissen haben zum Corporate Design, Bildrechten, Marketing etc. pp. Sonst fügt man dem Unternehmen u. U. schneller Schaden zu als man gucken kann.

Sehr schade finde ich deinen ablehnenden Hinweis zu Personalabteilung und Betriebsrat. Die PA ist natürlich in erster Linie Vertreter des Managements. Nichtsdestotrotz sollte aber auch einem Vorgesetzten daran gelegen sein, dass sein Mitarbeiter zufrieden ist. Denn nur so kann er die bestmögliche Leistung abrufen. Und wenn es dann gilt, ihn dabei zu unterstützen, in einen anderen Bereich zu wechseln, ist das erst einmal nichts Verwerfliches.

Mich wundert allerdings schon, dass ihr dann keine Personalentwickler habt. Ab einer gewissen Unternehmensgröße dürfen an dieses Thema ebenfalls nur noch Spezialisten ran. So ist es zumindest bei uns.

Käme für dich noch nicht einmal ein Beratungsgespräch in Betracht?

Ich würde mir heutzutage sehr gut überlegen, ob ich - wenn ich erst einmal fest im Sattel eines großen Unternehmens sitze - diesem leichtfertig den Rücken zuwenden würde. Mit der Einstellung vieler junger Kollegen - heute hier, morgen dann eben da - komme ich nicht wirklich gut zu Recht. Bin aber auch schon fast 30 Jahre im Unternehmen, habe Kind, Haus etc. und somit nur eine geringe Risikofreude. Egal wo du landest, hast du dann erst einmal wieder eine Probezeit.. heutzutage wird kaum noch unbefristet eingestellt.

Da würde ich vermutlich eher versuchen, das aktuelle Unternehmen mit einer Wiedereinstellzusage in der Tasche für die Dauer eines Studiums zu verlassen. Oder eben berufsbegleitend und während dieser Zeit schon mal versuchen, im Bereich des Studienschwerpunkts Fuß zu fassen. In einem großen Unternehmen gibt es - mit etwas Geduld und Spucke - da doch immer Möglichkeiten...

LG
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


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