Thema: Anerkennung und Kommunikation


Kaiserin
(456 Beiträge)
von Julia am 12.07.2012 um 13:53 zitieren

Hallo in die Runde!

Gerade komme ich endlich dazu, den Artikel \"Arbeiten in Europa, Teil 2 Klare Kommunikation kommt an\" (working@office 06/2012, Seite 52 bis 53) durchzulesen und hätte einige der Aussagen selbst genau so gemacht.

Mir fällt oft auf, dass ein \"Danke\" oder eine Art Lob an der falschen Stelle kommt, nämlich für Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind. Für Arbeiten, die sehr mühselig waren oder viel Zeit und Energie kosteten, die eher einer Anerkennung bedürfen, da wird dann nach dem Motto verfahren \"nix gesagt ist genug gelobt\".

Dann widerum soll ich aus vollkommen kryptischen oder gar fehlenden Informationen das richtige Ergebnis basteln und besser vorgestern als gestern abliefern. Hellseherisch begabt bin ich jedoch nur manchmal ...

Wie ist das denn bei euch so?
Manchmal klingt es ja hier im Forum ganz ähnlich und dann taucht wieder mal ein Hoffnungsschimmer auf, dass es doch besser geht.

Bin schon sehr auf eure Antworten gespannt.

Liebe Grüße

Julia


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Kaiserin
(1269 Beiträge)
von Melsi am 12.07.2012 um 14:28 zitieren
Zitat von Julia:

Hallo in die Runde! Gerade komme ich endlich dazu, den Artikel \"Arbeiten in Europa, Teil 2 Klare Kommunikation kommt an\" (working@office 06/2012, Seite 52 bis 53) durchzulesen und hätte einige der Aussagen selbst genau so gemacht. Mir fällt oft auf, dass ein \"Danke\" oder eine Art Lob an der falschen Stelle kommt, nämlich für Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind. Für Arbeiten, die sehr mühselig waren oder viel Zeit und Energie kosteten, die eher einer Anerkennung bedürfen, da wird dann nach dem Motto verfahren \"nix gesagt ist genug gelobt\". Dann widerum soll ich aus vollkommen kryptischen oder gar fehlenden Informationen das richtige Ergebnis basteln und besser vorgestern als gestern abliefern. Hellseherisch begabt bin ich jedoch nur manchmal ... Wie ist das denn bei euch so? Manchmal klingt es ja hier im Forum ganz ähnlich und dann taucht wieder mal ein Hoffnungsschimmer auf, dass es doch besser geht. Bin schon sehr auf eure Antworten gespannt. Liebe Grüße Julia

Hallo Julia,

ich glaube, das geht den meisten Leuten so

Persönlich brauche ich ein Lob vom Chef oder den Kollegen nur selten bis gar nicht. Frei nach dem Motto \\\"nicht geschimpft ist auch gelobt\\\"

Allerdings höre ich ein Lob oder Dankeschön dann doch auch mal gerne, wenn ich gerade etwas besonders Kniffeliges gelöst oder einen verärgerten Kunden wieder auf die Spurt gebracht habe etc.

Grundsätzlich vertrete ich aber den Standpunkt, dass ich für alles das, was ich täglich im Büro leiste und erledige, weder ein Lob noch ein Dankeschön bekommen muss. Das ist nun mal der Job und schließlich erhalte ich für meine Leistungen auch ein passables Gehalt

Meine Kollegen sehen das wiederum ganz anders. Die wollen (fast) für jeden Pupsi gelobt werden, was ich dann doch für übertrieben halte.

So gehen die Meinungen einfach auseinander.

Man sollte sich auch mal in den Chef versetzen, der für seine Arbeit auch nie ein Lob oder Dankeschön erhält - da wird das Engagement nämlich auch als selbstverständlich angesehen. Viele Chefs verlernen dann einfach mit der Zeit auch, die Mannschaft zu motivieren, indem sie loben und sich beim Personal bedanken.

Ich bin gespannt, wie die anderen Mädels das sehen

LG, Melsi


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Supernova
(114 Beiträge)
von gitti am 12.07.2012 um 15:18 zitieren

Hallo Julia,

in der über 20jährigen Arbeit für einen wirklich tollen Chef bin ich von diesem genau 2x gelobt worden. Einmal für ein Hotel (vom Reisebüro gebucht), einmal für das Büro, das ich nach einem Umzug für ihn eingerichtet habe. Hatte mit meiner eigentlichen Arbeit also herzlich wenig zu tun.

Von einem anderen Chef habe ich für einen idiotischen 2-Zeiler zu hören bekommen: Frau Gitti, das haben Sie aber gut gemacht! Ich habe mich selten so vereimert gefühlt, da lobe ich mir doch die erste Variante.

Klar ist ist schön, für gute Arbeit gelobt zu werden. Ich finde, das geht manchmal in der Arbeitswelt ein wenig unter. Aber vielleicht muss das Lob ja gar nicht immer von Chef zu MA gehen, das kann auch mal umgekehrt oder auf gleicher Ebene stattfinden. Nur muss ein Lob für mich wirklich ehrlich sein, darf auch gerne \"aus dem Herzen kommen\", dann kann ich mich oder ein anderer auch wirklich drüber freuen.

Gitti


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Komet
(97 Beiträge)
von Serena am 19.07.2012 um 10:47 zitieren

Schwieriges und spannendes Thema.

Ja, ich habe meinen Vertrag und ich bekomme für die vereinbarte Arbeitsleistung mein Gehalt und daher \"keinen Anspruch für Lob\".

Ich für mich unterscheide zwischen Lob \"Oh, das haben Sie toll gemacht\" und konstruktiven Feedback \"Die Veranstaltung war gut geplant, das Essen ist gut angekommen, die Teilnehmer waren zufrieden, Kritik gab es zu den gewählten Motiven, da sollten wir uns nächstes Jahr nochmal genauer abstimmen\"

Und auf letzteres verzichte ich unfreiwillig allzu oft, weil ich von meinen Kollegen das Feedback nicht bekomme. Das Lob selbst ist mir nicht wichtig, wenn ich etwas gut geplant habe und es funktioniert, dann kann ich das für mich anerkennen.
Und das funktioniert durch das Feedback, ohne das bin ich da nicht immer sich, weil gelegentlich mal öfter ein halbes Jahr später kam \"wah, das war Mist.\"

Glücklicherweise lernen wir hier aneinander und ich weiß bei den meisten wie ich nun an meine Rückmeldungen komme, damit ich in Zukunft \"Fehler\" vermeiden und Dinge besser organisieren kann.

Grüße Serena

Lebe lieber ungewöhnlich.


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 19.07.2012 um 20:11 zitieren

Hallo zusammen,

ja, ein interessante Sache ist das mit diesem Lob.

Für mich ist das Lob ein völlig kostenloses Instrument mit einer immensen Wirkung - sofern es zum richtigen Zeitpunkt von der richtigen Person angemessen transportiert wird. Denn wer freut sich nicht über Wertschätzung entweder seiner Person oder der Arbeit, die er geleistet hat?!

Ein Lob empfinde ich nämlich als genau das: Als Wertschätzung der Güte meiner Arbeit - nicht dass ich die überhaupt tue, denn dafür bekomme ich tatsächlich mein Gehalt. Das Lob bezieht sich auf das, was über diese 100% hinausgeht und da finde ich schon wichtig, dass auch einmal ausgesprochen wird, dass dieses Mehr also überhaupt wahrgenommen wird.

Zumindest mich motiviert Lob ungemein: Ich strenge mich bei nächster Gelegenheit noch mehr an, damit ich bald wieder eins bekomme.
Zumindest war das früher so; mein jetziger Chef tickt da ganz anders und ist einer von denen, die mit Lob leider nicht umgehen können. Und deshalb spielt es für mich derzeit auch keine Rolle - meine Motivation ist allerdings derzeit auch eher mau. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Zusammenhang besteht.

Ich denke, wie stark man so etwas wahr- und annimmt, wie sehr man es braucht, hängt zu einem großen Teil, wenn nicht gar größtenteils von der eigenen Erziehung ab. Ich musste mich z. B. als älteres Kind und erst recht als Erwachsene schon sehr anstrengen, um von meinen Eltern übehaupt noch gelobt zu werden.
Als Kleinkind war das anders, da wurde ich (wie die meisten Kinder wohl auch) für jeden Pups gelobt. Schon irre, da wurde sogar gelobt, wenn etwas im Töpfchen landete - hihi..

Lass ein kleines Kind etwas \\\'schaffen\\\' und rundherum lobt, wer loben kann. Darüber regte sich kein Mensch auf, das ist selbstverständlich. Da ist es schon fast komisch, wenn man diese \\\'Leistung\\\' nicht anerkennt, so banal sie auch ist.

Doch ab einem gewissen Alter ist eine normale Leistung eben tatsächlich nur noch Mittelmaß und der Rede nicht wert. Eigentlich sollte uns das doch zu denken geben, oder? Nicht umsonst ist der Deutsche ja ein kleiner Hochleister - nur so erhält er Anerkennung.

Richtig zu loben gehört übrigens standardmäßig zu Führungskräfteseminaren - und das nicht ohne Grund. Ein falsch ausgesprochenes Lob kann mehr kaputt machen als nutzen. Dann lieber gar nicht. Doch gar nicht ist eben auch nicht richtig, insbesondere wenn es darum geht, die maximale Leistung von den Mitarbeitern zu erhalten. Daher gehört richtig zu loben auch zum Handwerkszeug, das jede gute Führungskraft beherrschen und praktizieren sollte.

Wer das Thema vertiefen möchte, kann sich hier ein bisschen einlesen:
http://karrierebibel.de/lobenswert-die-kunst-des-lobens/

Am besten finde ich übrigens den Schusssatz:
Das Klopfen auf die Schulter liegt zwar nur ein paar Rückenwirbel über dem Tritt in den Steiß – in Sachen Effizienz ist es diesem aber deutlich überlegen.

In diesem Sinne einen schönen Abend
viele Grüße
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Kaiserin
(456 Beiträge)
von Julia am 20.07.2012 um 09:21 zitieren

Liebe Kirsten,

danke für Dein ausführliches Posting, insbesondere für den letzten Satz . Den werde ich mir merken!

Es ist schon genau so wie Du sagst: Anerkennung und Wertschätzung für das was über 100 % hinaus geht. Das muss doch gar kein \\\"gut gemacht\\\" oder \\\"tolle Arbeit\\\" sein. Mir reicht es vollkommen aus, wenn bemerkt wird, dass etwas sehr mühevoll war und trotzdem gelungen ist oder sehr viel mehr Einsatz erforderte als \\\"normal\\\". Eine nonverbale Ausdrucksweise dafür reicht mir durchaus.

Was mir gar nicht schmeckt, das ist die Tatsache, dass ein hoher Einsatz eben standardmäßig 150 % statt der 100 % immer selbstverständlicher zu werden scheint. Für eine begrenzte Zeit ist das in Ordnung, aber wenn es zur Dauerleistung wird/werden soll/werden muss, dann läuft etwas schief. Darunter leidet nicht nur die Motivation sondern sehr viel mehr. Im schlechtesten Fall geht das Privatleben und die Gesundheit darüber in die Brüche.

Noch schlimmer finde ich es, wenn Mitarbeiter/-innen, die eigentlich zuständig sind und Verantwortung für bestimmte Bereiche/Aufgaben übernehmen sollten, sich mit fadenscheinigen oder gar keinen Argumenten auf die faule Haut legen und andere dann ihren \\\"Mist\\\" mitmachen müssen, weil sonst der ganze Laden still steht. ... so lange der Laden dann läuft, drückt oben jeder ein Auge zu und ignoriert auf wessen Kosten es geht. Das sind Zustände bei denen ich aus der Haut fahren kann - ganz unabhängig davon, ob ich in irgendeiner Weise davon betroffen bin.

Ich versuche, es anders zu machen - nicht nur Kindern gegenüber!

Schönen Tag noch!

Julia


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Supernova
(138 Beiträge)
von TraumSekki am 20.07.2012 um 11:47 zitieren

Hallo Julia,

das letzte Thema, was du nun aber ansprichst, geht eher in die Richtung \"nicht nein-sagen zu können\" und damit die 150 % auf sich zu \"lasten\".

Hier muss jeder selbst für sich entscheiden, wie er damit umgeht. Ich sage meinen Leuten klipp und klar, dass ich das unter der und der Bedingung mache oder \"Ok, ich habe dann aber was gut bei dir\" und schwupps die wupps kommt immer ein Danke, wenn ich mehr mache als meine eigentliche Arbeit.

Viele sagen aber nichts und machen einfach und dann denkt der Gegenüber, meiner Meinung nach zu Recht, dass da ja nix dabei ist/war.

Was ich hingegen übertrieben finde ist, wenn sich MA bedanken, dass der Vorgesetzte den beantragten Urlaub genehmigt hat - auch das erlebe ich hier öfters und ich würde mir da schon veräppelt vorkommen...

LG,
TraumSekki


Antwort: Re: Anerkennung und Kommunikation

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 20.07.2012 um 17:38 zitieren

Hallo ihr beiden,

150 % im Dauerbetrieb zu leisten funktioniert tatsächlich nur eine begrenzte Zeit. In vielen Unternehmen wurde allerdings in den letzten Jahren so viel rationalisiert, dass es schon gar nicht mehr anders geht. Etwas nicht zu schaffen und dazu dann auch noch zu stehen ist allerdings für viele immer noch tabu - und die laufen dann wie der Hamster im Rädchen bis sie dann nicht mehr können und umfallen. Und bis die dann wiederkommen, vergehen eben keine 5 Tage, sondern zig Wochen bis Monate. Diesen Trend kann man insbesondere in den Gesundheitsberichten der Krankenkassen zunehmend erkennen - ein Ende ist nicht in Sicht, Handlungsbedarf nur sehr begrenzt bisher erkannt und so wird es so noch eine ganze Weile weitergehen. Und zwar solange, bis so viele Mitarbeiter umfallen, dass es die anderen nicht mehr kompensieren können.

Ich denke, in vielen Jobs ist es so, dass man eben nicht die Wahl hat, den Job der anderen (nicht unbedingt nur Faulen, sondern auch der Kranken) zu übernehmen. Das wird einfach festgelegt und basta. Das ist eine andere Baustelle als das Nicht-nein-sagen-Können, das du (Traumsekki) ansprichst.

Bei uns ist es so, dass viele Mitarbeiter wirklich am absoluten Limit leisten. Bisher ist es immer noch gut gegangen.. irgendwie..

Zunehmend macht sich Resignation breit: Es wird sich ja doch nichts ändern. Jeder wird nur noch an der Erreichung seiner Ziele gemessen und dabei wird ganz übersehen, dass es hier nicht um Sachen geht, sondern auch Menschen beteiligt sind, die eben nicht auf Knopfdruck funktionieren. Und wenn man die nicht ein bisschen hegt und pflegt - und da ist ein Lob eines der Instrumente, die man nutzen können und sollte - dann wird eben auch über kurz oder lang die Qualität runtergehen.

Naja, dann kann man ja immer noch outsourcen.. Ostblock.. Indien.. die sind zwar meist noch schlechter, aber zumindest günstiger und meckern tun sie auch nicht.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende - und Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist!

Liebe Grüße
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


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