Thema: Re: Geschäftsleitungsassistentin als Betriebsratsmitglied


Newcomer
(2 Beiträge)
von forestfairy am 25.05.2012 um 13:40 zitieren

Ich war selbst einige Jahre BR-Mitglied in einem großen Konzern. Das war in der Zeit, als ich noch nicht Sekretärin im leitenden Angestelltenbereich war.

Verbieten kann es niemand. Auch Angestellte der Personalabteilung können sich beispielsweise in den Betriebsrat wählen lassen.

Ich persönlich finde allerdings, dass man in einen Interessenskonflikt gerät und zwar von beiden Seiten gesehen. Man bekommt Dinge mit, die für das andere \"Ohr\" nicht bestimmt sind. Beispiel: es werden irgendwelche Umstrukturierungen geplant und der BR ist noch nicht im Boot (sollte nicht sein, ist aber sehr oft so). Dann bekommst Du das als Sekretärin mit und kannst Deine BR-Kollegen nicht darüber informieren. Umgekehrt plant der BR im Rahmen seiner Mitbestimmung evtl. Dinge, die der Chef nicht gut heißen wird. Wieder eine schlechte Situation.
Ein weiterer Punkt: aus Mitarbeiter-Sicht würde ich nicht zu einer BR-Kollegin mit einem ernsthaften Anliegen gehen, die im Sekretariat der Geschäftsleitung ist.

Letzten Endes kommt es natürlich auf den Betrieb und die eigene Situation an. Aus meiner Sicht wäre es weder in der alten, noch in der jetzigen Firma eine angenehme Situation gewesen.

Viel bei der Entscheidung!


Antwort: Re: Geschäftsleitungsassistentin als Betriebsratsmitglied

Gräfin
(151 Beiträge)
von wuschig am 30.05.2012 um 08:22 zitieren

Hallo,

ich war erste Nachrückerin für den Betriebsrat, als ich noch nicht in der Chefetage war. Nachdem ich ins Vorstandsbüro gewechselt hatte, fiel eines der Betriebsratsmitglieder aus, und mein Nachrücken stand zur Debatte. Ich habe zunächst mit meinem Chef darüber gesprochen, der meinte, er fände es gut, wenn ich das mache, und er hätte volles Vertrauen, dass ich weiß, was ich der einen oder der anderen Seite erzählen darf. Auch der Betriebsrat wollte mich als Nachrückerin haben.

Natürlich ist es ab und zu schwierig, weil man über mehr Informationen verfügt, aber man kann auch vieles bewegen, weil man einen besseren Überblick hat. Der Betriebsrat erwartet sicher nicht, dass man vertrauliche Geschäftsleitungsdinge ausplaudert, ebenso wird der Chef nicht erwarten, dass er über geplante Aktivitäten des BR vorab inoffiziell informiert wird.

Ich habe während meiner Zeit im BR erlebt, dass die Kollegen oft zu mir kamen, weil sie wussten, dass ich mit vertraulichen Dingen sorgfältig umgehen konnte und musste. Ebenso hat mein Chef es sehr geschätzt, wenn ich ihn auf \"Stimmungen\" in einzelnen Abteilungen hingewiesen habe, ohne konkret zu werden.

Du musst das aber ganz allein für dich entscheiden. Wenn du Bedenken hast, dann sage das auch so. Sprich mit deinem Chef, und wenn er dich nicht dazu ermuntert, dann ist es besser, das Amt nicht anzunehmen. Schließlich erwartet er Loyalität von dir, und du möchtest, dass er dir vertraut.

Hör auf dein Bauchgefühl!
Liebe Grüße
wuschig


Antwort: Re: Geschäftsleitungsassistentin als Betriebsratsmitglied

Tulpe
(11 Beiträge)
von Ostseewind am 30.05.2012 um 11:53 zitieren

Bei der letzten BR-Wahl bin ich ebenfalls von einigen Mitarbeitern vorgeschlagen worden. Ich habe mich für das Vertrauen bedankt, jedoch eine Mitarbeit im BR höflich abgelehnt - aus genau den schon von den anderen genannten Gründen. Ich glaube nicht, dass mein Chef so offen mit mir reden würde, gerade über Personaldinge, wenn ich BR-Mitglied wäre.

Man kann ja durch seine tägliche Arbeit trotzdem dazu beitragen, das Betriebsklima günstig zu gestalten und für gerechte Entscheidungen eintreten.


Antwort: Re: Geschäftsleitungsassistentin als Betriebsratsmitglied

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 30.05.2012 um 13:18 zitieren

Ich glaube, es gibt Gründe die dafür und welche die dagegen sprechen können.
Als Sekretärin auf Abteilungsleiterebene war ich 2 Jahre im BR tätig. Anfangs wußte ich auch nicht genau, ob sich das vereinbaren läßt. Letztlich muß ich sagen, dass wohl beide Seite profitiert haben. Ich konnte dem BR direkt aus dem Alltag der Abteilung berichten, um die es in vielen Entscheidungen ging, und ich konnte in meinem Bereich dazu beitragen, dass die Entscheidungsfindung besser verstanden wurde.
Mit den Geheimnissen hin und her ist natürlich nicht immer leicht, das muß jeder für sich selber wissen, ob ihm das zusetzt, wenn er z.B. von Entlassungen weiß aber nichts sagen kann.
Da gab es dann auch schon mal eine Anfeindung deswegen, aber die Spielregeln sind klar und das muß man vertreten.
Ich habe im Vorfeld auch mit meinem Chef darüber gesprochen und ohne seine Zustimmung hätte ich mich nicht aufstellen lassen, wie hätte ich sonst da weiterarbeiten können.
Sicherlich war ich aber in meiner damaligen Position nicht so nah an den Oberen dran, wie Du jetzt. Der damalige Unternehmensinhaber wollte seine Sekretärin nicht im BR sitzen haben, er sprach da ganz klar von Gewissenskonflikten und hat das auch anschaulich belegt. Ich konnte seine Entscheidung verstehen.
Ich denke, ohne den direkten Chef mit im Boot zu haben, würde ich mich nicht aufstellen lassen.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Geschäftsleitungsassistentin als Betriebsratsmitglied

Newcomer
(3 Beiträge)
von Tamaris am 12.06.2012 um 11:10 zitieren

Warum sollte es ein Problem sein auch als Assistent des Geschäftsführers dem BR anzugehören?
Wie ich finde gibt es da schon Interessenkonflikte - aber rein rechtlich keine Probleme, das die BR-Mitglieder schließlich gewählt werden.
Wenn das Personal auch Konflikte sieht wird es dich auch nicht wählen.
Die Demokrtie entscheidet


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