Thema: Betriebsklima und sich durchsetzen als Frau


Newcomer
(4 Beiträge)
von wolkenkratzerin am 10.05.2012 um 13:17 zitieren

Hallo Zusammen,

es gibt etwas, das mich ziemlich in Rage bringt und
ich bräuchte mal ein paar Tipps oder Anregungen von euch.

Ich arbeite seit etwas über einem halben Jahr u.a. als Assistenz des Leiters in einem öffentlichen Betrieb und bin die einzige Frau.

Abgesehen davon, dass mir die Tätigkeit keinen Spaß macht, belastet mich auch das Betriebsklima und dass ich als Frau nicht ernst genommen bzw. unterdrückt werde. Außerdem habe ich einen Konflikt mit dem Fertigungsleiter mit seiner pauschalisierenden, abwertenden Haltung und Dominanzgehabe.

Ich habe nur sehr wenig Kontakt mit den Kollegen, weil ich mich einfach unsicher fühle und sehr viel Distanz zwischen uns wahrnehme. Klar bin ich als Chefassistentin eine Respektperson, aber auch vom Chef selbst fühle ich mich oft nicht für voll genommen. Zum Einen anhand der vernichtenden (Fertigungsleiter) oder ignorierenden(mein Chef) Reaktionen auf meine Optimierungsvorschläge, zum Anderen auch durch Dominanzgehabe und Formulierungen von oben herab (Fertigungsleiter).

Als ich neu dazu gekommen bin, habe ich mir noch viel Mühe gegeben, dachte ich sogar daran, alle zum Einstand einzuladen, doch dann habe ich es mir anders überlegt, weil mir einfach die Verbindung gefehlt hat. Betrete ich z.B. die Gemeinschaftsküche, schweigen alle nur. Anfangs habe ich selbst noch etwas gesagt bzw. gefragt, aber es kam nicht so viel zurück wie ich mir gewünscht hätte. OK, nicht weiter tragisch, es gibt immerhin eine Handvoll Kollegen, mit denen ich mich ab und zu gut unterhalten kann und ich denke, dass manche Kontakte einfach ihre Zeit brauchen.

Auch habe ich mir gewünscht, dass mein Chef als Arbeitgeber sich etwas Mühe gibt, mich in die bestehende Gruppe zu integrieren. Oder sonst irgendjemand einfach mal auf mich zukommt und mich als Neuling z.B. einlädt, die Mittagspause gemeinsam zu verbringen. So kenne ich das von allen meinen bisherigen Arbeitgebern. Mich hat die Zurückhaltung von Anfang an irritiert - und eingeschüchtert. Inzwischen habe ich nur noch Kontakt mit Kollegen, wenn es um Geschäftliches geht. Und selbst da stört mich der grobe \"von oben herab\"-Ton seitens dem Fertigungsleiter und sobald ich mal einen Optimierungsvorschlag bringe, wird es vom Fertigungsleiter sofort als Beleidigung eingestuft. Beispiel: Der Fertigungsleiter hat mich gebeten, etwas bestimmtes bei einem bestimmten Lieferanten für ihn zu bestellen. Der Preis war ein Wucher. Mein Chef war auch empört über den Preis. Also wollte ich Kosten sparen und habe einen alternativen Lieferanten gefunden, bei dem der Artikel völlig identisch und 4x günstiger ist. Seine Reaktion war beleidigte Empörung, so, als hätte ich ihn persönlich angegriffen. Unfassbar auch, dass er gemeint hat, die Kosten seien ihm doch egal, er hätte ja nichts davon und was unser Chef nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Wie unehrlich und falsch! Für mich hat sich das durch die Blume auch noch so angehört: Ich soll einfach tun, was er (Fertigungsleiter) sagt und jeglicher Widerstand in welcher Form auch immer wird von ihm nicht toleriert.

Ich reagiere stets freundlich, sachlich und respektvoll, aber langsam habe ich die Nase voll, immer freundlich und nett und lieb zu sein!

Mein Chef selbst kann sich nicht gut durchsetzen und äußert Kritik nie offen und konstruktiv, sondern entweder er schmollt tagelang, jammert hinter dem Rücken der betreffenden Personen, lästert über seinen eigenen Chef!! oder er bemitleidet sich selbst. Anfangs bin ich noch viel auf ihn eingegangen, habe viel gefragt und habe versucht manche Missstände zu relativieren, doch was ich sage, zählt nicht. Weil ich eine Frau bin! Und vielleicht auch, weil ich so lieb, nett, freundlich bin? Wenn ich neben ihm stehe/sitze, fühle ich mich oft wie ein kleines Mädchen und nicht wie die starke Frau. Er behandelt mich auch entsprechend.

Doch wie kann ich mich besser durchsetzen?
Wie kann ich die Atmosphäre zw. Kollegen und mir jetzt noch auflockern? Oder offen auf sie zugehen und erfahren, wie sie über mich denken? Woher die schlechte Stimmung allgemein kommt (unbefriedigendes Controllingsystem usw.) ist mir gut bekannt, da ich selbst davon betroffen bin. Und vor allem: Wie kann ich die Wogen zwischen dem beleidigten Fertigungsleiter und mir glätten? Kann ich das überhaupt - sollte ich überhaupt so viel Verantwortung auf mich nehmen oder mich eher abgrenzen und mir einen neuen Job suchen. Was ich jedoch nicht möchte: Flüchten. Das ist nicht mein Weg.

Ich merke auch, dass ich sehr häufig krank bin (der Krankenstand bei uns ist aber ohnehin überdurchschnittlich hoch) und immer mehr über einen Jobwechsel nachdenke Ich weiß nicht inwieweit mein Chef auch genervt sein könnte, dass ich so häufig krank bin. Er jammert ja gern, aber immer nur hinter dem Rücken der Person, anstatt Kritik konstruktiv und offen zu äußern.

Dabei gibt es auch so schöne Sachen an der Arbeit. Das Unternehmen an sich ist spannend, mit ein paar Kollegen kann ich mich gut unterhalten, ich habe ein tolles Büro und mag die Arbeitsumgebung so sehr. An all dem hänge ich. Die äußerlichen Arbeitsbedingungen sind einfach nahezu perfekt und ich glaube nicht, dass ich das so schnell nochmal finde. Außerdem gibt es auch liebenswerte Seiten an meinem Chef und dem Fertigungsleiter, die ich sehr mag.

Meine Idee ist es außerdem, mit dem Betriebsrat zu sprechen. z.B. auch darüber, wieso ich kein Probezeitgespräch hatte und was er zu der Situation meint. Einer der Kollegen, mit denen ich mich gut verstehe, ist beim Betriebsrat und ich kann es mir gut vorstellen, mich ihm anzuvertrauen.

Puh, langer Text, ich hoffe, ihr könntet mir noch folgen
Ich bin wirklich sehr gespannt, was ihr als Außenstehende darüber denkt.

Danke euch für\'s Zulesen

Liebe Grüße


Antwort: Re: Betriebsklima und sich durchsetzen als Frau

Königin
(258 Beiträge)
von Zausel am 11.05.2012 um 13:40 zitieren

Hallo Wolkenkratzerin,

Du sagst bereits in Deinem ersten Satz, dass Dir die Arbeit an sich keinen Spaß macht. Da ist das Andere doch vorprogrammiert !
Und wenn sogar Dein Chef keine Führungsqualitäten hat, wie sollst Du Dich da durchsetzen wenn er nicht hinter Dir steht ?

Also frage ich kurz und knapp: wieso bist Du noch dort ? Ein schönes Büro kann doch den ganzen Frust nicht aufwiegen.

Ich wäre jedenfalls schon lange auf der Suche nach was Neuem.

Grüße
Zausel


Antwort: Re: Betriebsklima und sich durchsetzen als Frau

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 11.05.2012 um 13:48 zitieren

Hallo,

na, da hast du ja wirklich eine Großbaustelle durch den Kampf an den verschiedensten Fronten: Chef, ein offensichtlich weisungsbefugter Fertigungsleiter, die mehr oder weniger lieben Kollegen und das Arbeitsklima im allgemeinen.

M. E. kannst du die Konflikte nur lösen, indem du sie sukzessive, also nacheinander und nicht alle gleichzeitig angehst. Den Betriebsrat würde ich übrigens erst heranziehen, wenn alles andere nicht gefruchtet hat. Denn das Hinzuziehen der Arbeitnehmervertretung bedeutet oft zusätzliches Konfliktpotenzial - und du willst doch die Probleme lösen und keine neuen schaffen, oder?

M. E. solltest du zuerst das Gespräch mit deinem Chef suchen. Nicht zwischen Tür und Angel, sondern dir explizit Zeit erbitten für ein Mitarbeitergespräch. Du solltest sicherstellen, dass ihr in dieser Zeit nicht gestört werdet - weder durchs Telefon, noch durch irgendwelche Mitarbeiter. Und dieses Gespräch solltest du zu Hause in aller Ruhe vorbereiten. Wichtig ist m. E. dass du transportierst, dass du sehr traurig und enttäuscht bist und dir nicht mehr anders zu helfen weißt, als um die Unterstützung vom Chef zu bitten. Schon das schmeichelt den meisten Gockeln. Zuerst würde ich alles Positive auflisten, warum du den Job haben wolltest, dich riesig gefreut hast, ihn zu kriegen und was dir (noch immer) sehr gefällt. Doch dann solltest du m. E. die Karten auf den Tisch legen. Bleibe dabei sachlich, aber rede nichts schön - mache deutlich, dass es dir nicht darum geht, jemanden schlecht zu machen, aber eben darum, einen guten Job in angenehmer Atmosphäre zu tun.
Ziel wäre, aus dem Gespräch rauszukommen, so dass sich keiner angegriffen fühlt (im Konfliktmanagment heißt das \"ich bin okay, du bist okay\" - denn nur dann sind beide Seiten offen und motiviert, etwas ändern zu wollen.

Es ist übrigens wissenschaftlich erwiesen, dass das Führungsverhalten eine der wichtigsten Stellschrauben hinsichtlich der MItarbeiterzufriedenheit und -motivation ist. Wenn das bei euch so im Argen liegt, wundern mich eure Krankenstände nicht.

Ich habe mittlerweile vor Jahren der Vorstandsassistenz den Rücken gekehrt und befasse mich jetzt mit betrieblichem Gesundheitsmanagement. Vielleicht wäre auch das eine Idee für eure Firma (und letztlich für dich), dieses Thema einmal über einen externen Berater zu euch ins Unternehmen zu holen. Anlass könnten die hohen Krankenstände sein, die im Hinblick auf die demografische Entwicklung (das Groß der Mitarbeiter wird immer älter, wir alle müssen länger arbeiten und es ist kaum Nachwuchs in Sicht - da MUSS man etwas für die Belegschaft tun).

Im ganz nebenbei würdest vermutlich auch du großen Nutzen ziehen aus dieser Sache. Ganz unabhängig davon ist es m. E. ein sehr interessantes Thema, das du dir als Assistentin dan auf die Fahne schreiben könntest.

Ich glaube auch, es war nicht wirklich gut, dass du vom Einstandsfrühstück Abstand genommen hast. M. E. gehört das einfach dazu, wenn man irgendwo neu aufschlägt. Du hast es auch Gründen der Verunsicherung nicht getan, ausgelegt worden sein kann es dir als Hochnäsigkeit. \"Das hat sie offensichtlich nicht nötig!\" Und wenn dann einer anfängt, böse zu reden, ist der erste Schritt getan. Ich glaube, ich würde einfach noch eine Erdbeerkuchen-Session nachschieben. So hast du dir da zumindest nichts vorzuwerfen.

Den FErtigungsleiter würde ich mir zu einem späteren Zeitpunkt \"vornehmen\". M. E. bist du - um mal beim Beispiel der zu hohen Kosten zu bleiben - hier zu stark vorgeprescht und er fühlte sich überrumpelt. Eventuell ist er ein solches selbstständiges Vorgehen von deiner Vorgängerin nicht gewohnt. Ich glaube, du hättest ihn hier zumindest abholen müssen und zwar ohne deinen Chef zwischenzuschalten - der hatte ja offensichtlich mit dem Bestellvorgang nichts zu tun, muss ihn nicht genehmigen. Der fühlte sich wohl vor vollendete Tatsachen gestellt. Da kannst du zig mal Recht haben, aber um auch Bestätigung von anderer Seite zu bekommen, bedarf es mehr.

Ich denke einfach, dass viele Assistentinnen ihre Rolle überschätzen. Oftmals ist es gar nicht gewollt, dass man mitdenkt - oder aber man muss \'an der unsichtbaren Leine\' den Chef erst einmal dahinführen, dass der merkt, welchen Wertbeitrag eine Assistentin leisten kann. Das hat etwas mit Intellekt zu tun, zum Teil auch mit Identifikation mit der eigenen Aufgabe/Verantwortung (offensichtlich geht die dem Fertigungsleiter völlig ab), dann aber auch mit Persönlichkeit. Du musst dir vor Augen führen, dass sich den Umfeld nur sehr begrenzt anpassen lässt. Und im schlimmsten Fall stimmt es eben so wenig, dass du dir tatsächlich etwas Neues suchen musst.

M. E. ist die Zeit dafür aber noch nicht reif - nach einem halben Jahr zu wechseln macht sich zudem nicht gut im Lebenslauf. Das solltest du - ganz egoistisch - einfach im Hinterkopf behalten.

Letztlich sollte doch allen daran gelegen sein, den Job in einer tollen Atmosphäre zu erledigen. Wenn ihr kein gutes Team seid, gibt es übrigens auch sog. Teambuilding-Events, die die Stimmung positiv beeinflussen könnten. Hast du an so etwas schon einmal gedacht? Bei uns steht so etwas immer Sommer wieder an: Wir werden abends gemeinsam grillen, dafür gilt es, GEMEINSAM sportliche Herausforderungen zu meistern. Was genau wir machen weiß ich nicht, aber hier sind alle gefordert. Das wäre sicherlich auch etwas für dich, um den Kontakt zu den anderen zu verbessern. Schlag doch deinem Chef eine solche Aktion einmal vor, vielleicht ist auch ihm daran gelegen, ein besseres Verhältnis zu seinen Jungs zu bekommen.

Viele Grüße
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Re: Betriebsklima und sich durchsetzen als Frau

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 11.05.2012 um 13:52 zitieren

Sorry wegen der ganzen Verschreiber. Man sollte seinen Text nochmal durchlesen, BEVOR man ihn abschickt. Hoffe, du wirst trotzdem schlau daraus und verstehst ungefähr, was ich sagen wollte.

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Re: Re: Betriebsklima und sich durchsetzen als Frau

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 11.05.2012 um 14:47 zitieren
Zitat von Kirsten:

Hallo, na, da hast du ja wirklich eine Großbaustelle durch den Kampf an den verschiedensten Fronten: Chef, ein offensichtlich weisungsbefugter Fertigungsleiter, die mehr oder weniger lieben Kollegen und das Arbeitsklima im allgemeinen. M. E. kannst du die Konflikte nur lösen, indem du sie sukzessive, also nacheinander und nicht alle gleichzeitig angehst. Den Betriebsrat würde ich übrigens erst heranziehen, wenn alles andere nicht gefruchtet hat. Denn das Hinzuziehen der Arbeitnehmervertretung bedeutet oft zusätzliches Konfliktpotenzial - und du willst doch die Probleme lösen und keine neuen schaffen, oder? M. E. solltest du zuerst das Gespräch mit deinem Chef suchen. Nicht zwischen Tür und Angel, sondern dir explizit Zeit erbitten für ein Mitarbeitergespräch. Du solltest sicherstellen, dass ihr in dieser Zeit nicht gestört werdet - weder durchs Telefon, noch durch irgendwelche Mitarbeiter. Und dieses Gespräch solltest du zu Hause in aller Ruhe vorbereiten. Wichtig ist m. E. dass du transportierst, dass du sehr traurig und enttäuscht bist und dir nicht mehr anders zu helfen weißt, als um die Unterstützung vom Chef zu bitten. Schon das schmeichelt den meisten Gockeln. ;-) Zuerst würde ich alles Positive auflisten, warum du den Job haben wolltest, dich riesig gefreut hast, ihn zu kriegen und was dir (noch immer) sehr gefällt. Doch dann solltest du m. E. die Karten auf den Tisch legen. Bleibe dabei sachlich, aber rede nichts schön - mache deutlich, dass es dir nicht darum geht, jemanden schlecht zu machen, aber eben darum, einen guten Job in angenehmer Atmosphäre zu tun. Ziel wäre, aus dem Gespräch rauszukommen, so dass sich keiner angegriffen fühlt (im Konfliktmanagment heißt das \"ich bin okay, du bist okay\" - denn nur dann sind beide Seiten offen und motiviert, etwas ändern zu wollen. Es ist übrigens wissenschaftlich erwiesen, dass das Führungsverhalten eine der wichtigsten Stellschrauben hinsichtlich der MItarbeiterzufriedenheit und -motivation ist. Wenn das bei euch so im Argen liegt, wundern mich eure Krankenstände nicht. Ich habe mittlerweile vor Jahren der Vorstandsassistenz den Rücken gekehrt und befasse mich jetzt mit betrieblichem Gesundheitsmanagement. Vielleicht wäre auch das eine Idee für eure Firma (und letztlich für dich), dieses Thema einmal über einen externen Berater zu euch ins Unternehmen zu holen. Anlass könnten die hohen Krankenstände sein, die im Hinblick auf die demografische Entwicklung (das Groß der Mitarbeiter wird immer älter, wir alle müssen länger arbeiten und es ist kaum Nachwuchs in Sicht - da MUSS man etwas für die Belegschaft tun). Im ganz nebenbei würdest vermutlich auch du großen Nutzen ziehen aus dieser Sache. Ganz unabhängig davon ist es m. E. ein sehr interessantes Thema, das du dir als Assistentin dan auf die Fahne schreiben könntest. ;-) Ich glaube auch, es war nicht wirklich gut, dass du vom Einstandsfrühstück Abstand genommen hast. M. E. gehört das einfach dazu, wenn man irgendwo neu aufschlägt. Du hast es auch Gründen der Verunsicherung nicht getan, ausgelegt worden sein kann es dir als Hochnäsigkeit. \"Das hat sie offensichtlich nicht nötig!\" Und wenn dann einer anfängt, böse zu reden, ist der erste Schritt getan. Ich glaube, ich würde einfach noch eine Erdbeerkuchen-Session nachschieben. So hast du dir da zumindest nichts vorzuwerfen. Den FErtigungsleiter würde ich mir zu einem späteren Zeitpunkt \"vornehmen\". M. E. bist du - um mal beim Beispiel der zu hohen Kosten zu bleiben - hier zu stark vorgeprescht und er fühlte sich überrumpelt. Eventuell ist er ein solches selbstständiges Vorgehen von deiner Vorgängerin nicht gewohnt. Ich glaube, du hättest ihn hier zumindest abholen müssen und zwar ohne deinen Chef zwischenzuschalten - der hatte ja offensichtlich mit dem Bestellvorgang nichts zu tun, muss ihn nicht genehmigen. Der fühlte sich wohl vor vollendete Tatsachen gestellt. Da kannst du zig mal Recht haben, aber um auch Bestätigung von anderer Seite zu bekommen, bedarf es mehr. Ich denke einfach, dass viele Assistentinnen ihre Rolle überschätzen. Oftmals ist es gar nicht gewollt, dass man mitdenkt - oder aber man muss \'an der unsichtbaren Leine\' den Chef erst einmal dahinführen, dass der merkt, welchen Wertbeitrag eine Assistentin leisten kann. Das hat etwas mit Intellekt zu tun, zum Teil auch mit Identifikation mit der eigenen Aufgabe/Verantwortung (offensichtlich geht die dem Fertigungsleiter völlig ab), dann aber auch mit Persönlichkeit. Du musst dir vor Augen führen, dass sich den Umfeld nur sehr begrenzt anpassen lässt. Und im schlimmsten Fall stimmt es eben so wenig, dass du dir tatsächlich etwas Neues suchen musst. M. E. ist die Zeit dafür aber noch nicht reif - nach einem halben Jahr zu wechseln macht sich zudem nicht gut im Lebenslauf. Das solltest du - ganz egoistisch - einfach im Hinterkopf behalten. Letztlich sollte doch allen daran gelegen sein, den Job in einer tollen Atmosphäre zu erledigen. Wenn ihr kein gutes Team seid, gibt es übrigens auch sog. Teambuilding-Events, die die Stimmung positiv beeinflussen könnten. Hast du an so etwas schon einmal gedacht? Bei uns steht so etwas immer Sommer wieder an: Wir werden abends gemeinsam grillen, dafür gilt es, GEMEINSAM sportliche Herausforderungen zu meistern. Was genau wir machen weiß ich nicht, aber hier sind alle gefordert. Das wäre sicherlich auch etwas für dich, um den Kontakt zu den anderen zu verbessern. Schlag doch deinem Chef eine solche Aktion einmal vor, vielleicht ist auch ihm daran gelegen, ein besseres Verhältnis zu seinen Jungs zu bekommen. Viele Grüße Kirsten

Liebe Kirsten,
auch wenn es sich nach Lobhudelei anhören mag, Hut ab vor diesem für mich gelungenen Beitrag. Super in Worte gefaßt, was ich einfach so nicht hinkriege.
Schmeiße auch ne Runde Zewa, falls jetzt jemand meint, man könnte hier auf einer Schleimspur ausrutschen, aber mir fällt es schwer, so strukturiert auf die einzelnen Punkte einzugehen. Deswegen kneife ich mit einer Antwort oft.
So, und nun ab ins WE, ich hoffe, keiner von Euch muß heute noch die Gewitter hier von letzter Nacht mitmachen, ich saß so im Bett

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Betriebsklima und sich durchsetzen als Frau

Supernova
(138 Beiträge)
von TraumSekki am 15.05.2012 um 11:39 zitieren

Hallo Wolkenkratzerin,

ich stimme Kirsten volle Kanne zu.
@Kirsten: wirklich supi formuliert!

Je nach Größe des Betriebes hast du evtl. nicht die Mittel / Möglichkeit, externe Berater ran zu ziehen oder teambildende Maßnahmen durchzuführen, aber auf jeden Fall hast du die Möglichkeit, deinen Einstand wenisgtens als \"bestandene Probezeit\" nachzuholen.

Und ganz ehrlich: in so eine Runde gehören dann keine betrieblichen Themen, eher so was \"was macht ihr am WE? Wo geht ihr hier am liebsten ins Restaurant? Was für Autos fahrt ihr?\"... Kinder, Haustiere, etc. das sind Themen, zu denen jeder was sagen kann, ohne dass Religion oder politische Meinung o. ä. diskutiert werden und so kann sich ein Team bilden.

Übrigens find ich es normal als neuer MA, mich bei anderen vorzustellen, hingehen, nach Kontakt fragen und etwas zu erbitten - ich würde nie erwarten, dass mir das \"alles auf einem Silbertablett ins Büro serviert wird, weil ich dort neu anfange...\" - sorry wenn das hart ausgedrückt ist.

Wünsche dir viel Erfolg.

LG,
TraumSekki


Antwort: Immer durchsetzen...

Newcomer
(10 Beiträge)
von Terra am 15.05.2012 um 16:10 zitieren

Hallo Wokenkratzerin,

muss es den sein, dass wir Frauen immer kämpfen müssen und unsere Energie für was aufbringen, was sowieso schon längst erledigt ist. Du sagst, die Arbeit macht dir keinen Spass mehr - dann auf zu neuen Ufern!

Wünsche dir viel Glück dabei

Herzliche Grüße
Terra
___________________________________

... genieße jeden Tag in vollen Zügen!


Antwort: Re: Immer durchsetzen... @Terra:

Supernova
(138 Beiträge)
von TraumSekki am 15.05.2012 um 17:25 zitieren
Zitat von Terra:

Hallo Wokenkratzerin, muss es den sein, dass wir Frauen immer kämpfen müssen und unsere Energie für was aufbringen, was sowieso schon längst erledigt ist. Du sagst, die Arbeit macht dir keinen Spass mehr - dann auf zu neuen Ufern! Wünsche dir viel Glück dabei

Glaubst du wirklich, dass es schon längst erledigt ist?

Meiner Meinung nach wäre Wolkenkratzerin dann nicht mehr in dem Unternehmen sondern hätte zum Ende der Probezeit gehen dürfen.

Ich glaube eher, \"dass bei uns Frauen\" meist sehr viel persönliche Gefühle dahinter stecken als dass die Situation nüchtern betrachtet wird...


@Wolkenkratzerin: vielleicht interessiert dich das Buch \"Das Frust Job Killer Buch\" - es geht darum, dass man in jedem Beruf die gleichen Probleme haben wird und sich die anderen nicht ändern - man kann also gleich in dem Job bleiben, den man hat.

Ähnliches hört man auch in Coachings und getreu dem Motto \"love it, change it or leave it\" lebe ich auch - und bei dir klingt\'s noch nicht nach leave it...

LG,
TraumSekki


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