Thema: Geheimhaltung als oberste Pflicht


Newcomer
(6 Beiträge)
von made_in_germany am 27.10.2011 um 18:42 zitieren

Als Assistentin der Geschäftsleitung hat \"Frau\" es doch wirklich nicht leicht! Man weiß viele Dinge oft Wochen oder sogar Monate im voraus.

Eigentlich habe ich mit dem Thema Geheimhaltung auch keine Probleme. Aber heute hatte ich eine Grenzerfahrung. Ich wußte schon seit Wochen, dass der CEO sich von einer Mitarbeiterin trennen wollte. Ich habe ihn nicht weiter angesprochen und habe insgeheim gehofft, dass er es sich noch überlegt. Ich mag diese Kollegin eigentlich. Gestern sagte er: \"morgen bekommt sie ihre Kündigung.\" Aber bekanntlich geht es ja noch immer ein wenig schlimmer...als ich heute an meinem Schreibtisch ankam (ich sitze mit dem CEO in einem Raum) mußte ich ihm gleich über die Schulter schauen und das Kündigungsschreiben Korrektur/Satzbau lesen. Ich hätte gleich wieder nach Hause fahren können...seufz...

Heute habe ich den ganzen Tag versucht, Ihr aus dem Weg zu gehen und mittags habe ich mich nicht in die Cafeteria gesetzt, sondern bin spazieren gegangen. Hoffentlich hat er es noch heute Abend hinbekommen, ihr seine Entscheidung mitzuteilen. Als ich ging war jedenfalls noch nichts bekannt. Ich habe ein schlechtes Gewissen.

Wer diesen Job macht...muß unter anderem stark sein!

Habt Ihr auch sollche Geschichten? Mich würde das irgendwie aufbauen!


Antwort: Bürde oder...?

Kaiserin
(382 Beiträge)
von EGE76 am 28.10.2011 um 07:44 zitieren

Guten Morgen Made in Germany!

Dein Posting hat mich sofort angesprochen! Mir geht es ganz genau so. Unsere Firma steckt seit einiger Zeit in einer Umstrukturierungspahse (so nennt man das doch-hört sich besser an ) und seit ca. 3 Jahren dreht sich hier immer alles nur um Personal, Personal, Personal....Ich kanns echt nicht mehr hören!
Klar gibt es auch immer wieder \"Probelemfälle\" die man am liebsten loswerden möchte, aber was mich erschreckt, ist auch die teilweise respektlose Art wie über die Mitarbeiter gesprochen wird - natürlich nur hinter verschlossener Tür! Und da ich meistens an diesen Sitzungen teilnehmen muss, kriege ich alles hautnah mit.
Anfangs dachte ich, ich pack das schon, das gehört zum Job, auch das man mit Niemanden reden kann und darf. Als Anhängsel zum Chef hat man eh eine besondere Postion und ich weiß nicht wie es Dir geht, aber der persönliche Kontakt zu den \"normalen\" Mitarbeitern ist leider sehr begrenzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche MA sich anfangs für mich interessierten, auch mal ein Schwätzchen hielten, aber als sie dann merkten, dass sie von mir keine Informationen bekommen, war ich plötzlich unten durch. Schade, dass man/frau so wenig Verständnis findet.....
Auch mein Chef \"kotzt\" sich oft bei mir aus, bindet mich in Personalentscheidungen ein, will meine Meinung hören. Klar, das zeugt von 100%igem Vertrauen, ehrt mich ja auch, aber dennoch: Das belastet mich sehr. So sehr, dass ich jetzt einen Schlussstrich gezogen habe und ab Januar eine neue Stelle antreten werde. Ich brauche endlich mal wieder was Positives und die letzten Jahre haben mir einfach zuviel ausgesaugt. Und wie gesagt, Verständnis kann ich da von Niemanden erwarten, auch wenn ich viel meinem Mann erzähle, so ist er letztlich trotzdem außen vor und kann sich nicht in die Situation rein versetzen.
Ich will nicht damit sagen, dass jede/r der in so eine Lage ist, gleich kündigen muss. Ich bin 6 jahre in dieser Firma und habe in dieser Zeit auch viel gelernt. Aber wie gesagt, ich hatte einfach keine Energie mehr, schlief nachts schlecht, hattbe Schwindelanfälle, mein Arzt meinte das wären Ansätze von Burn-Out. Und da musste ich reagieren! Ich mach mich nicht weiter kaputt....

Du siehst, Du bist nicht alleine, und ich danke Dir, dass ich mich bei Dir auskotzen durfte

Liebe Grüße und viel Kraft für solche Tage, an denen man bestimmte Dinge eben nicht so locker sehen kann!

EGE76

Viele Grüße
EGE76


Antwort: Re: Geheimhaltung als oberste Pflicht

Supernova
(138 Beiträge)
von TraumSekki am 28.10.2011 um 08:56 zitieren

Hallo zusammen,

ich weiß, es immer ein schmaler Pfad... in meiner alten Firma konnte der Chef keine Kündigungen aussprechen. Also hat er bei den Leuten, von denen er sich trennen wollte, die Verträge so umstricken wollen, dass die sich lieber freiwillig was anderes gesucht ham. Während er bei anderen das Grundgehalt auf 500,- € runter gesetzt hat und die den Rest auf Provisionen verdienen sollten, hat er bei mir das Grundgehalt sogar 200,- € rauf gesetzt und mir trotzdem noch einen Provisionsanteil zugesichert. Allerdings habe ich irgendwann auch 60 h / WO gearbeitet, ohne die Überstunden bezahlt zu bekommen und habe dann nach 2,5 Jahren auch nen Schlussstrich gezogen.

Nun bin ich schon länger in einer Firma, wo mein Chef mich zwar auch in alle Entscheidungen mit einbezieht, aber meiner Meinung nach bei einigen Mitarbeitern deutlich härter durchgegriffen werden müsste. Es gibt welche, die verdienen sich dumm und dämlich, leisten aber nix, prahlen dafür aber hinten rum noch, was sie bekommen und andere, die sich wirklich nen A**** aufreißen, trotzdem nur die Hälfte bekommen...

@Made in Germany: mach dir in deinem Fall bewusst, dass es eine Entscheidung von deinem Chef ist und nicht deine. Du brauchst absolut kein schlechtes Gewissen haben, auch wenn es dich zwischenmenschlich mit nimmt. Sollte deine Kollegin auf dich zukommen, evtl. auch mit Vorwürfen, warum du ihr nix gesagt hast, lass dich nicht angreifen! Es wird einen Grund gehabt haben, warum sich der Chef von ihr trennen wollte, sei es wg. der wirtscahftlichen Lage oder aus anderen Gründen. Schau, dass du am Ende das beste draus machst und ihr einen würdigen Abschied bereitest!?

LG,
TraumSekki


Antwort: Re: Geheimhaltung als oberste Pflicht

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 28.10.2011 um 10:52 zitieren

Hallo made in germany,

eine Geschichte kann ich glücklicherweise nicht beitragen. Ich arbeite in einer eher kleineren Firma und glücklicherweise ist hier alles sehr stabil, die letzte Personalentscheidung liegt jetzt fast 5 Jahre zurück. Davor gab es auch schon mal mehrere Kündigungen, aber seitdem *knockonwood* ist es ruhig in diesen Dingen. Und das tut mir sicher auch gut.
Bei allem Wissen um Vertrauensstellung und Schweigepflicht und ich bin nicht der Entscheider habe ich auch immer Bauchgrummeln und finde ich es hässlich, zu wissen, was da auf jemanden zurollt.
Aber ich denke, es ist normal so zu reagieren, das unterscheidet uns von den Maschinen, die haben keine Gefühle und kein Mitdenkgen, dass sich ausmalen kann, was das für denjenigen bedeutet.
Angriffe von der Gegenseite, ich hätte ja mal was sagen können, hatte ich glücklicherweise nie, aber natürlich wäre das ein no go und Schweigen ist oberste Pflicht. Ich erfülle einen Vertrag um es hart zu sagen. Und meine Meinung über die Berechtigung einer Kündigung interessiert nicht. (Ich könnte dann höchstens selber kündigen, wenn ich mit den Praktiken nicht zurecht käme).
Für mich ist es das Minus an meinem Job, den ich sehr gerne mache. Aber ich bin sehr froh, dass ich nicht viel oder regelmäßig mit Kündigungen zu tun habe, ich kann mir vorstellen, dass mich das auch sehr mitnehmen würde.

Du bist nicht die Böse. Aber es ehrt Dich, so Mitgefühl zu zeigen, vermisse ich heute leider sehr oft in meinem Umfeld und der Gesellschaft.

Suse, die nicht weiß, was sie Dir sonst noch sagen könnte..

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Geheimhaltung als oberste Pflicht

Newcomer
(6 Beiträge)
von made_in_germany am 28.10.2011 um 19:21 zitieren

Vielen Dank für Eure lieben Worte. Eigentlich bin ich ja hart wie Krupp-Stahl und so blöd wie ich es brauche, kann´s mir keiner geben... Manchmal hilft aber nur Selbstmitleid!

Ein paar Sätze sind mir aus der Seele gesprochen:
1. Man gehört nirgends dazu. Sobald man im Oval-office sitzt, hat man bei den Kollegen eine Sonderstellung.
2. Wenn man keine spannenden Geschichten über den Chef vom Stapel läßt, sind sie schnell enttäuscht.
3. Mir graut schon vor den Vorwürfen. Dabei habe ich Sie im Vorfeld gewarnt und Sie gebeten Ihn nicht weiter zu reizen.

Naja, Thank good it´s friday! Ich habe ein schön heißes Bad genommen, sitze vorm Kamin und guck in´s Feuer und habe gerade Popcorn, Chio Cips und Noisette Schokolade gegessen. Mir geht´s wieder gut.

LG an alle


Antwort: Re: Geheimhaltung als oberste Pflicht

Newcomer
(8 Beiträge)
von Leni am 01.02.2012 um 22:23 zitieren

Hallo made in germany,

würde mich mal interessieren, wie die Geschichte mit Deiner Kollegin ausgegangen ist.

Schreib doch mal.

Leni


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