Thema: Nachfrage von Bewerber bei Absage


Kaiserin
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von Suse am 09.05.2011 um 13:59 zitieren

Nach dem AGG schreibe ich hier schöne neutrale Absagen
Und jetzt fragt ein Bewerber telefonisch nach, woran es denn gelegen hat bei ihm? Wie kann ich da was sagen, was kann ich sagen?? Jede Äußerung könnte mich in Teufelsküche bringen, übertrieben gesprochen.
Wie wird das bei Euch oder in Euren Personalabteilungen gehandhabt? Könnt Ihr mir dazu was sagen?
Wir hatten dieses Thema AGG vor ein paar Jahren schon mal ziemlich ausführlich, aber da ging es nur um die schriftliche Absage, ich habe im Archiv geschaut.
Wir brauchen jemanden mit guten Deutschkenntnissen, das steht aber nicht in der Anzeige. Dann kann ich doch jetzt dazu auch nichts sagen, richtig?


Suse, die um die richtigen Worte ringt

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Nachfrage von Bewerber bei Absage

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 09.05.2011 um 14:12 zitieren

Huhu Suse,

schwierige Sache. Ich bin ja auch bei uns für die Absagen zuständig und weiß auch immer, warum jemand eine Absage bekommt. Sagen darf man heute die Gründe wegen AGG ja nicht ehrlich, sonst kommt man tatsächlich in Teufelsküche

Gerne sage ich den Anrufern, dass der zuständige Verantwortliche mir keine Auskunft über den Absagegrund genannt hat und ich lediglich die Absage schreiben sollte. Ansonsten kommt von mir die Aussage, dass eben andere Bewerberprofile viel besser zur ausgeschriebenen Stelle gepasst haben.

Das sollte meiner Meinung nach ausreichen und für mehr Aussagen lasse ich mich auch nicht hiinreißen

Ist immer eine ätzende Sache, wenn man einem verzweifelten Kandidaten eine Absage erteilen muss. Wir haben auch viele Bewerber, die sehr schlechtes Deutsch sprechen und schreiben oder schon sehr lange Zeit arbeitslos und viel zu lange aus dem Job sind. Schlimm ist das ...

LG, Melsi


Antwort: Absagesammlerin

Kaiserin
(1158 Beiträge)
von esbe am 09.05.2011 um 14:25 zitieren
Zitat von Suse:

Nach dem AGG schreibe ich hier schöne neutrale Absagen :-/ Und jetzt fragt ein Bewerber telefonisch nach, woran es denn gelegen hat bei ihm? Wie kann ich da was sagen, was kann ich sagen?? Jede Äußerung könnte mich in Teufelsküche bringen, übertrieben gesprochen. Wie wird das bei Euch oder in Euren Personalabteilungen gehandhabt? Könnt Ihr mir dazu was sagen? Wir hatten dieses Thema AGG vor ein paar Jahren schon mal ziemlich ausführlich, aber da ging es nur um die schriftliche Absage, ich habe im Archiv geschaut. Wir brauchen jemanden mit guten Deutschkenntnissen, das steht aber nicht in der Anzeige. Dann kann ich doch jetzt dazu auch nichts sagen, richtig? Suse, die um die richtigen Worte ringt :verrueckt:

Hallo Suse,

eigentlich bist Du doch gut raus, denn Du führst doch nicht die Einstellungsgespräche.
Ich bekomme ja entweder gar keine Antwort oder aber so Sätze wie

-...an ihrem durchaus gutem Profil hat es nicht gelegen, aber wir haben eine Person mit einem noch besser passenden Profil gefunden.

- leider müssen wir Ihnen nach eingehender Prüfung Ihrer Unterlagen mitteilen, dass wir uns nicht für Sie entscheiden können. Wir haben eine Vielzahl von Bewerbungen auf unsere Ausschreibung erhalten. Die Auswahl unter den sehr qualifizierten Bewerbern fiel uns schwer, jedoch konnten wir uns letztlich für einen Kandidaten entscheiden.

-für Ihre Bewerbung und das Interesse an unserem Unternehmen möchten wir uns bedanken. Leider müssen wir Ihnen absagen, da wir uns für eine interne Lösung entschieden haben. Für Ihre persönliche wie berufliche Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute und viel Erfolg.

So könnte das noch ellenlang weitergehen. Ich frage auch schon einmal telefonisch nach. Die Telefondamen sagen dann grundsätzlich, dass sie nicht damit betraut sind und keine weitere Auskunft erteilen könnten oder es kommt der Sermon s.o. Eine Cheffin hat mir allerdings auch glatt vor den Kopf geknallt, sie hätte über 200 Bewerbungen bekommen und die per E-Mail hätte sie erst gar nicht gelesen (z.B. meine Bewerbung) auch wenn das als Möglichkeit in der Jobbörse so angegeben worden wäre.
Eine andere Dame, die bei einem der letzten Vorstellungsgespräche dabei war, habe ich nach 14 Tagen beim Einkaufen getroffen. Sie hat sich gewunden wie ein Wurm und hat gesagt, das Alter wäre es wohl nicht gewesen, ich hätte zum Kreis der letzten drei Bewerberinnen gehört, aber es wäre eben nur eine Stelle zu besetzen gewesen. Aber Genaues? kriegt man einfach nicht zu hören!

Immer noch suchende

esbe

Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.


Antwort: Das ist doch alles frustrierend, oder?

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 09.05.2011 um 14:46 zitieren

Mal ehrlich, was hat dieses Gesetz verbessert? Meine ganzen Berührungspunkte sagen mir, wenn man es nicht in die Anzeige schreiben darf, dass sie jung/weiblich/deutsch sein soll, dann hofft man einfach, dass genug passende Bewerbungen reinkommen und den Unpassenden sagt man platidüdenhaft ab.
Die Suchenden bewerben sich auf alles mögliche, die Unternehmen schotten sich ab, weil sie Angst vor Klagen haben - wem hilft das AGG? Vielleicht bin ich zu negativ eingestellt jetzt, mag sein.
Aber würde eine ehrliche Antwort nicht mehr helfen als zu wissen, dass man nicht diskriminiert wird durch den Text?
Danke Melsi und esbe für Eure Antworten. In esbes Fall kann man ja schön sehen, welcher Unsinn da rauskommen kann vor lauter Entscheidungen
Und Melsi, ich werde es wohl so wie Du handhaben, hinter Entscheidern verschanzen oder diese Profilaussage machen.
Argh, ist das ätzend!!

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Das ist doch alles frustrierend, oder?

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 09.05.2011 um 15:03 zitieren
Zitat von Suse:

Mal ehrlich, was hat dieses Gesetz verbessert? Meine ganzen Berührungspunkte sagen mir, wenn man es nicht in die Anzeige schreiben darf, dass sie jung/weiblich/deutsch sein soll, dann hofft man einfach, dass genug passende Bewerbungen reinkommen und den Unpassenden sagt man platidüdenhaft ab. Die Suchenden bewerben sich auf alles mögliche, die Unternehmen schotten sich ab, weil sie Angst vor Klagen haben - wem hilft das AGG? Vielleicht bin ich zu negativ eingestellt jetzt, mag sein. Aber würde eine ehrliche Antwort nicht mehr helfen als zu wissen, dass man nicht diskriminiert wird durch den Text? Danke Melsi und esbe für Eure Antworten. In esbes Fall kann man ja schön sehen, welcher Unsinn da rauskommen kann vor lauter Entscheidungen :verrueckt: Und Melsi, ich werde es wohl so wie Du handhaben, hinter Entscheidern verschanzen oder diese Profilaussage machen. Argh, ist das ätzend!! Suse

Hallo Suse,

ach, das ist hier in Deutschland doch alles Schrott, was in Sachen \"Bewerbung und Stellenanzeigen\" abgeht.

Ganz ehrlich: Wir schreiben in unsere Annoncen immer rein, dass wir sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift erwarten. Kann einer keinen vernünftigen Satz schreiben oder sprechen, dann habe ich ehrlich gesagt auch keine Scheu, es demjenigen am Telefon zu sagen. Wir suchen viele MA im IT-Userhelpdesk. Die müssen sehr gutes Deutsch sprechen, sonst haben wir bei unseren Kunden wirklich ein Problem.

Bei Zeugnissen ist doch das gleiche Desaster. Man darf einem AN kein schlechtes Zeugnis ausstellen. Aber viele AG rufen auch bei uns an, um im Interview mehr über den Bewerber zu erfahren - also bei Leuten, die bei uns mal angestellt waren. Am Telefon geben wir dann schon mal Auskunft über Zuverlässigkeit, Kenntnisse etc.

Mein Chef vertritt den Standpunkt, dass auch er bei einem Bewerber gerne die Wahrheit wissen möchte, bevor es zu einer Einstellung kommt. Ist doch auch in Ordnung, wie ich finde. Ich möchte auch nicht angelogen werden, wenn ich jemanden einstellen möchte und anhand von geschönten Zeugnissen ist eine Beurteilung ja überhaupt nicht mehr möglich.

Gleiches beim Alter. Das muss man heute ja angeblich in Bewerbungen auch nicht mehr angeben. Im Vorstellungsgespräch sieht man dann erst, wie alt jemand ist. Wir haben bei uns im Userhelpdesk keinen Mitarbeiter, der über 40 Jahre alt ist - die Spanne ist zwischen 23 und 38 Jahren. Ein Neuzugang muss auch altersmäßig ins Team passen. Klingt blöd, ist aber so. Wir hatten zwei Mitarbeiter, die Mitte 40 waren. Die sind dann irgendwann gegangen, weil sie null ins Team gepasst haben.

Ich frage mich immer, ob wir nicht genug andere Probleme haben. Anstatt uns über AGG und so einen Schrott Gedanken machen zu müssen, sollten wir erst mal ein paar andere grundlegende Dinge angehen! Das k*** mich hier in diesem Land echt an!

So ... jetzt habe ich mir Luft gemacht

LG, Melsi


Antwort: Nachfrage von Bewerbe

Kaiserin
(802 Beiträge)
von Su0811 am 09.05.2011 um 15:11 zitieren

Hallo Suse,

ich kann dir nur raten, drück es ab - und zwar an einen Vorgesetzten!

Mir wäre die Sache viel zu heikel, vor allem auch unter den Gesichtspunkten AGG. Warum sollst du dir die Finger verbrennen? Das kann ruhig einer machen der mehr Verantwortung hat.

LG
Su

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“
(Eleanor Roosevelt)


Antwort: Vorgesetzte

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 09.05.2011 um 15:29 zitieren
Zitat von Su0811:

Hallo Suse, ich kann dir nur raten, drück es ab - und zwar an einen Vorgesetzten! Mir wäre die Sache viel zu heikel, vor allem auch unter den Gesichtspunkten AGG. Warum sollst du dir die Finger verbrennen? Das kann ruhig einer machen der mehr Verantwortung hat. LG Su

Die wissen ja noch weniger, Su0811..

Schreiben Sie mal was schönes, Sie machen das schon..
Damit wollen Sie mich doch nicht wirklich behelligen..

Hier gibt es keine Extrapersonalabteilung, die in sowas fit sein könnte. Um den Ernst der Lage zu dokumentieren habe ich mir jetzt in der Fachbuchhandlung unseres Vertrauens 2 Bücher dazu zur Ansicht bestellt. Mal sehen, was die hergeben.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Re: Das ist doch alles frustrierend, oder?

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 09.05.2011 um 15:35 zitieren
Zitat von Melsi:

Hallo Suse, ach, das ist hier in Deutschland doch alles Schrott, was in Sachen \"Bewerbung und Stellenanzeigen\" abgeht. Ganz ehrlich: Wir schreiben in unsere Annoncen immer rein, dass wir sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift erwarten. Kann einer keinen vernünftigen Satz schreiben oder sprechen, dann habe ich ehrlich gesagt auch keine Scheu, es demjenigen am Telefon zu sagen. Wir suchen viele MA im IT-Userhelpdesk. Die müssen sehr gutes Deutsch sprechen, sonst haben wir bei unseren Kunden wirklich ein Problem. Bei Zeugnissen ist doch das gleiche Desaster. Man darf einem AN kein schlechtes Zeugnis ausstellen. Aber viele AG rufen auch bei uns an, um im Interview mehr über den Bewerber zu erfahren - also bei Leuten, die bei uns mal angestellt waren. Am Telefon geben wir dann schon mal Auskunft über Zuverlässigkeit, Kenntnisse etc. Mein Chef vertritt den Standpunkt, dass auch er bei einem Bewerber gerne die Wahrheit wissen möchte, bevor es zu einer Einstellung kommt. Ist doch auch in Ordnung, wie ich finde. Ich möchte auch nicht angelogen werden, wenn ich jemanden einstellen möchte und anhand von geschönten Zeugnissen ist eine Beurteilung ja überhaupt nicht mehr möglich. Gleiches beim Alter. Das muss man heute ja angeblich in Bewerbungen auch nicht mehr angeben. Im Vorstellungsgespräch sieht man dann erst, wie alt jemand ist. Wir haben bei uns im Userhelpdesk keinen Mitarbeiter, der über 40 Jahre alt ist - die Spanne ist zwischen 23 und 38 Jahren. Ein Neuzugang muss auch altersmäßig ins Team passen. Klingt blöd, ist aber so. Wir hatten zwei Mitarbeiter, die Mitte 40 waren. Die sind dann irgendwann gegangen, weil sie null ins Team gepasst haben. Ich frage mich immer, ob wir nicht genug andere Probleme haben. Anstatt uns über AGG und so einen Schrott Gedanken machen zu müssen, sollten wir erst mal ein paar andere grundlegende Dinge angehen! Das k*** mich hier in diesem Land echt an! So ... jetzt habe ich mir Luft gemacht :-) LG, Melsi

Melsi, sehe die Problematiken wie Du. Man hat sicher gutes gedacht bei der Errichtung des Gesetzes, aber ein Praktiker war da bestimmt nicht dabei und jetzt schlägt die Anwendung Kapriolen

Los, wir machen jetzt blau, gehen an einen Beach und genehmigen uns einen leckeren Sundowner, serviert von einem jungen, knackigen männlichen Wesen mit guten Manieren

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Nachfrage von Bewerber bei Absage

Supernova
(138 Beiträge)
von TraumSekki am 09.05.2011 um 15:35 zitieren

Ich selbst habe mich vor Kurzem beworben um einfach mal meinen Marktwert zu testen und muss zugeben: meine angegebene Gehaltsvorstellung war ordentlich überzogen Es folgte eine Absage mit der Begründung, es wurde eine mit besserem Profil gefunden. War mir unlogisch, denn ich hab 100 %ig gepasst - und dann schalten die die gleiche Anzeige noch mal!? Meine Nachfrage ergab auch nur Verschleierung... ich denke, ich war einfach zu \"teuer\".

Als ich früher in einem kleineren Unternehmen tätig war, habe ich auch die Absagen geschrieben und besonders cool fand ich die Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchten, den wir gar nicht angeboten haben und auch nie vorher hatten!? Denen konnte ich ja getrost rein schreiben, dass wir noch nie so einen Platz angeboten haben und es auch nicht können. Dafür habe ich denen dann \"Verbesserungsvorschläge\" gemacht, wie sie woanders eher punkten können mit ihrer Bewerbung. Bei einigen war die Mappe dann komplett rot... Ich frage mich dann immer, ob die niemanden haben, der noch mal drüber guckt!? Grad in dem Alter hat man doch Eltern, Verwandte, Freunde...

Esbe, dir weiterhin viel Erfolg, Daumen sind gedrückt!

Man muss leider wg. dem AGG vorsichtig sein, was man sagt. Prinzipiell würde ich auch sagen: am Telefon sollte es kein Problem sein, die Wahrheit weiter zu geben. Allerdings gibt\'s sicher auch welche, die Zettel und Papier neben dem Hörer liegen haben und neben Namen und Datum/Uhrzeit alles Wort für Wort mitschreiben und dann zum Anwalt gehen... ich verstehe den Nutzen des Gesetzes auch nicht. Zwar werden nun mehr Leute zum Vorstellungsgespräch eingeladen, aber ob man die dann einstellt, wenn man eben feststellt, - sind zu alt? -passen nicht ins Team? ...


Antwort: @Suse

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 09.05.2011 um 15:48 zitieren
Zitat von Suse:

Melsi, sehe die Problematiken wie Du. Man hat sicher gutes gedacht bei der Errichtung des Gesetzes, aber ein Praktiker war da bestimmt nicht dabei und jetzt schlägt die Anwendung Kapriolen :verrueckt: Los, wir machen jetzt blau, gehen an einen Beach und genehmigen uns einen leckeren Sundowner, serviert von einem jungen, knackigen männlichen Wesen mit guten Manieren :engel: Suse

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, da bin ich dabei, das ist priiiiiiiiiiiiiimaaaaaa

Ein Sundowner wäre jetzt echt perfekt ... ein kühler Drink im Beachclub, der Schoppen serviert von einem knackigen braungebrannten jungen Mann ... WOW!

Heute Abend gehe ich zu meiner besten Freundin. Wir machen einen Mädelsabend. Das wird auch super. Den leckeren Aperol-Spritz kann ich schon schmecken (man möge mir die Schleichwerbung verzeihen).

Zum AGG:

Das Problem haben wir immer hier in Deutschland. Diejenigen Welche, die die Gesetze verabschieden, sind nicht nur weit weg vom Thema, sondern befinden sich auch jenseits von Gut und Böse! Praktiker finden sich in diesen Gremien sicherlich gar nicht - hat zumindest für mich den Anschein.

Traurige Sache! Mich regt das immer wieder auf, egal um was es geht. Sei es die blödsinnige Frauenquote oder eben das AGG. Ich finde es dreist, das man die AG so beschneidet (oder beschneiden will). Jeder Unternehmer sollte doch bitte schön selbst entscheiden, wen er einstellt und wem er wegen was auch immer absagt. Warum soll man jemanden berücksichtigen und einstellen, wenn er absolut nicht passt?!

Verstehe einer die Welt. Vielleicht bin ich einfach zu blond oder zu blöd, um diese Dinge nachvollziehen zu können

Prösterchen und vorab schon mal einen schööööööööööööööönen Feierabend

LG, Melsi


Antwort: Re: Nachfrage von Bewerber bei Absage

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 09.05.2011 um 15:58 zitieren

Hallo zusammen,

neben den rechtlichen Konsequenzen, die einer ehrlichen Aussage folgen können, gibt es m. E. auch noch einen anderen Aspekt.

Wenn du einem Bewerber den ehrlichen Grund für die Absage sagst, dann fängt der - und das ist m. E. weder unwahrscheinlich noch unmenschlich - womöglich an mit dir zu diskutieren. Zumindest kannst du das nicht ausschließen und damit gibt es eine unangenehme Option. Die versucht man zu vermeiden, indem man etwas Unangreifbares vorgibt.

\"Fehlende Sprachkenntnisse\" - \"ich beleg Sprachkurse\"
\"zu alt\" - \"ich bin aber genauso leistungsfähig wie ein Junger\"
\"passt nicht ins Team\" - \"bin total flexibel und komme mit jedem gut zurecht\"

Und so gibt es zig Einwände und zig Lösungsvorschläge. Doch wem ist damit geholfen, wenn die Entscheidung der einstellenden Firma bereits gefallen ist!?

Der Bewerber mag an solch einer Diskussion Interesse haben, denn ihm ist daran gelegen, sich aufzuwerten und zu belegen, dass er doch zu 100% geeignet ist. Die Entscheidung der einstellenden Firma ist aber bereits gefallen, also wird das gesamte Bewerbungsdrumherum ad acta gelegt. Und zwar so, dass keiner sich mehr daran stoßen kann.

Die Firmen wollen für ihr Geld die vermeintlich beste Gegenleistung, und bei der Auswahl legen sie ihre ureigenen Maßstäbe an. Das ist nicht immer fair aus Sicht derer, die unter den Bewerbern den Kürzeren ziehen, aber so ist es eben. Da bleibt einem nur, nicht aufzugeben - irgendwann wird es passen.

Gruß
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Rechtsprechung zu diesem Thema:

Kaiserin
(802 Beiträge)
von Su0811 am 10.05.2011 um 10:08 zitieren

Hallo! Habe eben diesen Artikel zu genau diesem Thema gefunden:


http://rechtsanwaltarbeitsrechtberlin.wordpress.com/category/agg/
(hier habe ich kopiert!)
___________________
Kann ein abgelehnter Bewerber die Nennung des Ablehnungsgrundes verlangen?
10. September 2010 um 10:58 | Veröffentlicht in AGG, Auskunft, BAG, Bewerber, Bewerbung, Bundesarbeitsgericht, Entschädigung | Hinterlasse einen Kommentar
Tags: AGG, AGG (allgemeine Gleichbehandlungsgesetz), AGG - Rechte des abgelehnten Bewerbers, Bundesarbeitsgericht, Entschädigung, EuGH, Kann ein abgelehnter Bewerber die Nennung des Ablehnungsgrundes verlangen?, Schadenersatz, Vorlage EuGH AGG

Kann ein abgelehnter Bewerber die Nennung des Ablehnungsgrundes verlangen?

Wer sich bewirbt und dann nicht genommen wird, der möchte natürlich auch wissen, weshalb nicht. Häufig vermuten Arbeitnehmer, die alle Voraussetzungen für eine Stelle haben, dass sie diskriminiert wurden. Diskriminierungsgründen können z.B. das Alter, das Geschlecht oder aber auch die Herkunft sein. Das AGG (allgemeine Gleichbehandlungsgesetz) verbietet eine solche Diskriminierung ausdrücklich und räumt dem Bewerber Entschädigungsansprüche ein. Woher soll aber der Bewerber wissen, ob er tatsächlich diskriminiert wurde, wenn der potenzielle Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, mitzuteilen, nach welchen Auswahlkriterien er hier vorgegangen ist und wer anstelle des Arbeitnehmers eingestellt wurde.
Auskunftsanspruch nach dem AGG

Das AGG selbst sieht einen solchen Auskunftsanspruch des Bewerbers nicht vor. Dies sieht das Bundesarbeitsgericht (BAG) so. Das BAG hatte in einem Fall, bei dem eine 50-jährige Softwareentwicklerin, die aus Russland stammte, keine Anstellung und auch keine Auskunft über die Gründe der Versagung bekam, auf Entschädigung klagte, kein Auskunftsrecht der Bewerberin gesehen (BAG, Entscheidung vom 20.05.2010, 8 AZR 287/08),
Vorlage durch das BAG zum EuGH

Damit war der Fall aber noch nicht zu Ende. Das Bundesarbeitsgericht verneinte zwar nach dem nationalen Recht (AGG) eine solche Auskunftspflicht, da hier aber eine Verletzung von Europarecht in Betracht kam, legte das Bundesarbeitsgericht dieses Problem dem EuGH zur Entscheidung vor.

Es bleibt abzuwarten, was der EuGH entscheiden wird.

A. Martin – Rechtsanwalt
___________________

Gruß
Su

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“
(Eleanor Roosevelt)


Antwort: Die Unternehmen passen ihre Prozesse an...

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 10.05.2011 um 11:06 zitieren

Da stellt sich die Frage, was wohl mit solch einem Urteil gewonnen würde. M. E. hätte das lediglich die *hüstel* Optimierung des Bewerbungsprozesses zur Folge.

Auf Bewerbungen würde nichts mehr notiert, die Verständigung über die Eignung würde vermutlich mündlich erfolgen oder aber es wird eine Verschlüsselung entwickelt, die für Außenstehende nicht aussagekräftig ist. Letztlich wird man kein Unternehmen der Welt aber dazu zwingen können, etwas zu äußern, was es nicht will.

Und wenn dann ein Grund genannt werden müsste, würde der vermutlich heißen: Wir hatten mehrere Kandidaten, die gleichermaßen geeignet waren - letztlich hatten wir aber auch nur eine Stelle, daher hat dann das Los entschieden. Ob der Bewerber damit glücklicher ist?!

In der heutigen Zeitung stand ein Artikel zu exakt diesem Bewerbungsthema: Darin wurde empfohlen, nicht nach dem Ablehnungsgrund zu fragen, sonden danach, wie man nach Einschätzung der Firma seine Chance erhöhen, was man besser machen könne. Vielleicht wäre das ja mal eine erfolgversprechendere Strategie?!

Für mich ist diese Diskussion ähnlich der um die Arbeitszeugnisse. Was wurde denn mit der Verfügung erreicht, dass Zeugnisse nicht mehr negativ formuliert sein dürfen? Eine ureigene Zeugnissprache, die der eine besser, der andere schlechter beherrscht. Ganz toll wird es dann, wenn jemand, der ohne diese Kenntnis ein Zeugnis erstellt und das dann bei jemandem ankommt, der sich darauf genau versteht. Missverständnisse und Fehlinterpretationen sind vorprogrammiert; der einzig Leidtragende ist der Bewerber.

M. E. sollte man sich wirklich darauf konzentrieren, Absagen als Ansporn zu verstehen, die nächste Stelle zu bekommen. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan - aber der Blick zurück ist oft eher hinder- denn förderlich. Man vergeudet Ressourcen, die man eigentlich dazu braucht, seine Motivation aufrecht zu erhalten.

Gruß
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


Antwort: Re: Rechtsprechung zu diesem Thema:

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 10.05.2011 um 11:10 zitieren
Zitat von Su0811:

Hallo! Habe eben diesen Artikel zu genau diesem Thema gefunden: http://rechtsanwaltarbeitsrechtberlin.wordpress.com/category/agg/ (hier habe ich kopiert!) ___________________ Kann ein abgelehnter Bewerber die Nennung des Ablehnungsgrundes verlangen? 10. September 2010 um 10:58 | Veröffentlicht in AGG, Auskunft, BAG, Bewerber, Bewerbung, Bundesarbeitsgericht, Entschädigung | Hinterlasse einen Kommentar Tags: AGG, AGG (allgemeine Gleichbehandlungsgesetz), AGG - Rechte des abgelehnten Bewerbers, Bundesarbeitsgericht, Entschädigung, EuGH, Kann ein abgelehnter Bewerber die Nennung des Ablehnungsgrundes verlangen?, Schadenersatz, Vorlage EuGH AGG Kann ein abgelehnter Bewerber die Nennung des Ablehnungsgrundes verlangen? Wer sich bewirbt und dann nicht genommen wird, der möchte natürlich auch wissen, weshalb nicht. Häufig vermuten Arbeitnehmer, die alle Voraussetzungen für eine Stelle haben, dass sie diskriminiert wurden. Diskriminierungsgründen können z.B. das Alter, das Geschlecht oder aber auch die Herkunft sein. Das AGG (allgemeine Gleichbehandlungsgesetz) verbietet eine solche Diskriminierung ausdrücklich und räumt dem Bewerber Entschädigungsansprüche ein. Woher soll aber der Bewerber wissen, ob er tatsächlich diskriminiert wurde, wenn der potenzielle Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, mitzuteilen, nach welchen Auswahlkriterien er hier vorgegangen ist und wer anstelle des Arbeitnehmers eingestellt wurde. Auskunftsanspruch nach dem AGG Das AGG selbst sieht einen solchen Auskunftsanspruch des Bewerbers nicht vor. Dies sieht das Bundesarbeitsgericht (BAG) so. Das BAG hatte in einem Fall, bei dem eine 50-jährige Softwareentwicklerin, die aus Russland stammte, keine Anstellung und auch keine Auskunft über die Gründe der Versagung bekam, auf Entschädigung klagte, kein Auskunftsrecht der Bewerberin gesehen (BAG, Entscheidung vom 20.05.2010, 8 AZR 287/08), Vorlage durch das BAG zum EuGH Damit war der Fall aber noch nicht zu Ende. Das Bundesarbeitsgericht verneinte zwar nach dem nationalen Recht (AGG) eine solche Auskunftspflicht, da hier aber eine Verletzung von Europarecht in Betracht kam, legte das Bundesarbeitsgericht dieses Problem dem EuGH zur Entscheidung vor. Es bleibt abzuwarten, was der EuGH entscheiden wird. A. Martin – Rechtsanwalt ___________________ Gruß Su

Das ist ja interessant! Danke Su0811.
Je nachdem auf welcher Seite man steht, ist das momentan gut oder schlecht
Aber jetzt weiß ich wenigstens, dass ich nicht verpflichtet bin, uns (also Cheffes Entscheidung) zu erklären.
Bleibt abzuwarten was der EuGH daraus macht.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Nachfrage von Bewerber bei Absage

Newcomer
(1 Beiträge)
von sommer16 am 27.01.2013 um 12:15 zitieren

Hallo,

Ich brauche DRINGEND Hilfe:(. Wer von euch könnte mich mit einen guten Antwort helfen?

Aus Versehen, habe ich eine Kandidatin zum VG programmiert, und am Nachmittag habe ich ihr auch eine Vorauswahl Abgsage geschickt. Eigentlich sollte ich nicht Sie zum VG programmieren, sondern eine andere Kandidatin. Ich habe die Telefonnummer falsch geschrieben, als ich sie angerufen habe.

Ich muss Sie anrufen und weiß nicht genauch was ich sagen soll.... I\\\\\\\'m messed up.

Lg!

Bitte Bitte Bitte um Hilfe :((


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