Thema: Wie guck ich ihm hinter die Stirn?


Kaiserin
(1158 Beiträge)
von esbe am 27.04.2010 um 16:19 zitieren

Hallo,

wie ihr sicherlich mitbekommen habt, suche ich verzweifelt nach einer neuen Stelle. Täglich klappere ich durch die Suchmaschinen, finde auch das ein oder andere Stellenangebot, aber als Ü50 ist es mehr als schwierig, eine neuen Chef zu finden.

Mir geht dabei aber seit Tagen etwas durch den Kopf? Wie erkenne oder durchschaue ich einen zukünftigen Chef beim Vorstellungsgespräch? Wer oder was sagt mir, dass ich nicht an einen Choleriker oder eine Schlafmütze gerate? Wie macht ihr das? Oder gibt es Literatur, die einem erste Warnzeichen liefert?

Bin mal auf Eure Antworten gespannt

Liebe Grüße

esbe

Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.


Antwort: Wenn Du das könntest..

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 27.04.2010 um 16:39 zitieren

..könntest Du Dein Geld bestimmt auf andere Art und Weise verdienen
Ein Vorstellungsgespräch lieferte für mich immer nur einen ersten Eindruck und vermittelte mir das Gefühl dafür, ob ich mir vorstellen kann für diesen Menschen zu arbeiten. Mehr konnte ich aus diesem Termin noch nie rausziehen. Die Eigenarten meines Chefs habe ich auch erst im Miteinander entdeckt, er meine natürlich auch . Versucht nicht jeder, sich in diesem Gespräch bestmöglichst zu verkaufen? Beide Seiten wollen immerhin was..
Ein Tag Probearbeit könnte Dir mehr Eindruck vermitteln, in Aktion sind die meisten Menschen natürlich. Dass unangenehme Aufgaben nicht sein Ding sind, ein langes Wochenende mit Frau für miese Montagmorgenstimmung sorgt, Termine nicht weitergegeben oder Meinungen auch mal lautstark durchgesetzt werden kann man dabei merken, muß aber nicht
Wenn es Erkennungszeichnen für Choleriker gäbe, würde ich die auch gerne wissen, nicht für jetzt, aber man weiß ja nie!!
Wünsche Dir einfach, dass ein gutes Bauchgefühl nach einem Gespräch im Alltag nicht enttäuscht wird. Und bin mal mit gespannt, was hier noch an Antworten kommt.
Viel Erfolg für Dich, esbe.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Wie guck ich ihm hinter die Stirn?

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 27.04.2010 um 16:42 zitieren

Hallo Esbe,

ansich kannst Du den Leuten erst mal nur vor den Kopf gucken. Viele Menschen präsentieren sich zunächst von ihrer Schokoladenseite. Das wahre Gesicht kommt meist erst später zum Vorschein. Das liegt in der Natur des Menschen.

Ich verlasse mich immer auf das, was mein Bauch mir sagt. Zu 95% hat der auch immer recht

Sagt mir mein Bauch, dass ein Mensch eigenartig ist, dann ist da auch was dran. Sind mir Leute auf Anhieb sympathisch, dann bestätigt sich auch dieser Eindruck nach einer Weile.

So sehe ich es für mich zumindest.

Wir hatten am 10. und 24. April für unsere Mannschaft ein Telefoncoaching durchgeführt. Der Trainer hat meine o. g. Aussage auch bestätigt, nachdem er zu jedem von uns was gesagt hat. Er hat viel Erfahrung mit Menschen, übt den Trainerjob auch schon eine ganze Weile aus. Er kann Menschen sehr gut lesen, aber das erfordert ein langes und intensives Training.

Auf die Schnelle (z. B. durch Bücher) kann man sowas nicht erlernen.

Höre am Besten auf Deinen Bauch

LG, Melsi


Antwort: Noch ein Nachtrag von mir

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 27.04.2010 um 17:25 zitieren

Hallo Esbe,

viele Leute meinen übrigens auch, dass man anhand von Körpersprache Rückschlüsse ziehen kann. Auch das gilt nur bedingt.

Ein Mensch, der einem im Gespräch gegenüber sitzt und die Arme verschränkt auf seinem Bauch liegen hat, ist nicht zwangsläufig desinteressiert. Die verschränkten Arme können gleichermaßen auch ein Zeichen für entspanntes sitzen und interessiertes Zuhören sein.

Also ist auch hier Vorsicht geboten.

Sagt ein Chef z. B. \"Frau Esbe, ich sehe das auch so und ja, machen sie das so und so\" und wischt dabei mit seiner Hand von links nach rechts oder von rechts nach links über die Tischplatte, dann kann der Chef damit ein \"nein\" meinen. Es könnte aber auch hier sein, dass er einfach nur ein paar Krümel wegwischen möchte. Herausfinden kannst Du es in diesem Fall, wenn Du nach einer gewissen Zeit Deine Frage erneut stellst.

Du siehst, nicht alles ist immer ein Zeichen für was auch immer

Es ist alles mit Vorsicht zu genießen.

Der Trainer meinte übrigens auch, dass er von Hobbyanalytikern, die sich aus sog. Fachbüchern Hilfe holen, überhaupt nichts hält. Im Gegenteil. Solches Wissen ist rein oberflächlich und man urteilt viel zu schnell über sein Gegenüber.

Der Schuss kann also arg nach hinten losgehen, wenn man Menschen falsch liest ...

LG, Melsi


Antwort: Re: Wie guck ich ihm hinter die Stirn?

Kaiserin
(361 Beiträge)
von Allesora am 28.04.2010 um 09:29 zitieren

Guten Morgen esbe,

zunächst ein mal gar nicht. Wie melsi schon schrieb, man kann den Leuten nur bis zur Stirn gucken, alles andere ist Bauchgefühl.

Ich bin ja zurzeit auch auf der Suche, aber eher nach \"dem Sinn meines Arbeitslebens\". Will ich das was ich jetzt mache bis zur \"Bahre\" machen oder will ich - jetzt kurz vor der 50 - nicht doch was anderes wagen. Vielleicht suchst du ja auch nicht nur einen neuen Chef, sondern ganz andere Perspektiven! Hast du dir das schon mal überlegt!?

Ich habe mir ein Buch gekauft, das etwas anderes ist als andere Bewerbungs- und Jobfindungsbücher. Hier geht es darum, seine eigenen Fähigkeiten neu zu entdecken. Vielleicht hilft dir das ja auch. Ich warne dich aber: es macht arbeit .

\"Durchstarten zum Traumjob\" von Richard Nelson Bolles vom Campus-Verlag. Es gibt das Buch und ein Workbook dazu. Bolles meint, man muss die Jobsuche als Ganztagsjob betrachten, z. B. wenn jemand arbeitslos ist, muss er die Jobsuche als seinen wichtigen Job ansehen und daran arbeiten. Bei dem Workbook handelt sich dabei, seine eigenen Fähigkeiten zu erarbeiten und neu zu sortieren und kennenzulernen.

Wie gesagt, vielleicht hilft dir das, ganz neue Perpektiven für dich zu erkennen.

Gruß allesora

Lieber verrückt das Leben genießen, als normal langweilen!


Antwort: Re: Wie guck ich ihm hinter die Stirn?

Kaiserin
(355 Beiträge)
von Schaf am 28.04.2010 um 10:28 zitieren

Hallo Esbe,

ich kann Dir auch keinen Tipp geben wie das funktionieren könnte. Verlass Dich auf Dein Baugefühl, dass ist glaube ich am sichersten.

Eine Garantie bekommt man sowieso nie. Also auch ein netter Chef kann sich nach ein paar Monaten oder Jahren zum Ar.. entwickeln.

Verunsicher Dich nicht mit solchem Quatsch.

Ich drück Dir die Daumen bei der Jobsuche.

Schaf


Antwort: oh ja...

Rose
(37 Beiträge)
von asadu am 28.04.2010 um 10:43 zitieren

Hallo esbe,

das ist ja mal ein spannendes Thema. Klar ist, dass auf jeden Topf der Deckel erst einmal gefunden sein will. In der Beziehung bin ich inzwischen sehr kritisch, auch wenn mein Alter mir so langsam auch davon galoppiert.

Dank nicht ganz geradem Lebenslauf habe ich schon viel mit Menschen zu tun gehabt und auch einige Überraschungen erlebt. Hier eine gaaanz subjektive Auswahl kleiner Anhaltspunkte.

- Cholerik wirst Du sicher nicht erkennen können, aber manche Menschen zeigen leichte Anzeichen von Bluthochdruck, wenn z. B. der Hals eher gerötet ist, der Mensch eher schnell zu schwitzen scheint. Das ist nicht grundsätzlich ein Anzeichen, aber solchen Menschen steigt sprichwörtlich oft das Blut zu Kopf.

Choleriker sind aber noch irgendwie hinzunehmen. Sie kollern sich aus, sind dann ruhig, und meist tut es ihnen dann schon wieder leid. Nicht immer natürlich

- Ich selbst habe inzwischen ein Problem mit Euphorikern. Jemand der mir sagt, dass super Klima in seiner Firma herrscht oder begeistert voller Pläne steckt, macht mich misstrauisch. Oft waren dies eher chaotisch organisierte Menschen, die einem eine Menge Organisation übergeben. Grundsätzlich nicht schlecht, aber wesentliche Dinge wurden dann schon mal \"nicht\" weitergegeben.

Ganz persönlich, aber auf Dauer bin ich mit wortkargen, grummelnden und direkten Menschen einfach besser klar gekommen.

- Manchmal finden sich kleine Widersprüche in den Aussagen, oder auch nur Anmerkungen, die hellhörig machen. Ein Unternehmensberater ließ in einem Gespräch über eine andere anwesende Assistentin fallen, dass sie auch schon mal besser gewesen sei. Da habe ich beschlossen, für einen Jobwechsel bestimmt nicht umzuziehen.

Vielleicht hilft es, Dich nach einem Gespräch hinzusetzen, Dir aufzuschreiben, was Dir gut gefallen hat und was Dir merkwürdig vorkommt, kleine Mißtöne oder die Art des Gegenübers. Und genau, kannst Du Dir wirklich vorstellen, mit dieser Person zu arbeiten? Immerhin ist ja noch ein wenig zu tun.

Entschuldigung übrigens an alle, denen ich mit meinen Aussagen möglicherweise auf die Füße getreten bin. Die Anzeichen für Bluthochdruck kenne ich aus meiner Fitness-Ausbildung, und habe selbst immer wieder eindeutig cholerische Tendenzen, wenn ich ganz ehrlich bin, sowie auch den Hang zur Euphorie

Viel Erfolg bei Deiner Suche, esbe!!

Lieben Gruß
Anja


Antwort: Re: Re: Wie guck ich ihm hinter die Stirn?

Kaiserin
(1158 Beiträge)
von esbe am 28.04.2010 um 10:51 zitieren

Guten Morgen Allesora,

die Weisheit des Volljobs Jobsuche könnte auch von mir stammen !

Ich sitze den ganzen Tag über immer wieder am PC und durchforste die Jobbörsen und habe mir auch Gedanken gemacht, ob man nicht als Quereinsteiger eine neue Richtung einschlagen könnte. Aber bei mir spielt das Alter von 56 Jahren eine wesentlich größere Rolle bei den potentiellen AG. Und so Sprüche \"wie lange wollen Sie denn überhaupt noch arbeiten\" kann ich gut und gerne mit 10 Jahren beantworten, sieht der Gesetzgeber ja die 67 als Renteneinstiegsalter an!

Der Job den ich zurzeit noch habe, war schon ganz richtig für mich: Alleinkraft und Herrscherin über Sekretariat, Buchhaltung, Ansprechpartnerin für viele Leute, die beim Namen meines Chefs nur abwinken! Aber eben dieser Chef vermurkst alles und der Absprung würde mir nicht schwer fallen, wenn ich denn etwas anderes hätte.

In meinen Überlegungen bin ich schon auf andere Berufszweige gekommen, zum einen habe ich mich als Buchhalterin mit hauswirtschaftlichen Aufgaben beworben (keine Angst, Putzen würde ich nie!) und zum anderen läuft eine Bewerbung als Bewerbungscoach in einer Schule. Ein weiteres Stellenangebot muss ich erst einmal hinterfragen, denn was die dort für 25 Stunden fordern passt nicht auf die Anzahl \"1\" Stelle!

Gestern habe ich mir übrigens einen Hesse/Schrader gegönnt, dort werden u.a so einige Cheftypen vorgestellt. Wenn ich die dicke Schwarte durchgeackert habe, kann ich ja mal so den einen oder anderen Typen hier im Forum beschreiben.....

Sonnige Grüße

esbe

Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.


Antwort: Re: oh ja...

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 28.04.2010 um 11:10 zitieren

Hallo Asadu,

grundsätzlich lässt sich über vieles diskutieren

Du hast geschrieben:
- Ich selbst habe inzwischen ein Problem mit Euphorikern. Jemand der mir sagt, dass super Klima in seiner Firma herrscht oder begeistert voller Pläne steckt, macht mich misstrauisch. Oft waren dies eher chaotisch organisierte Menschen, die einem eine Menge Organisation übergeben. Grundsätzlich nicht schlecht, aber wesentliche Dinge wurden dann schon mal \\\"nicht\\\" weitergegeben.

Das kann ich zumindest nicht bestätigen. Wir haben vor einem viertel Jahr zwei neue Mitarbeiter eingestellt. Unser Unternehmen befindet sich im Umbruch und wir richten uns neu aus. Wir haben spannende und zukunftsorientierte IT-Projekte in der Pipeline und mein Chef plaudert darüber in den höchsten Tönen.

Wir haben auch ein super Betriebsklima, über das mein Chef auch gerne spricht.

Alles das ist nicht \\\"beschönt\\\" oder erfunden und hat (zumindest bei meinem Chef) nichts mit Euphorie zu tun - ganz im Gegenteil

Jeder macht seine eigenen Erfahrungen in solchen Dingen und das ist auch gut so. Aber man darf grundsätzlich nicht vorschnell urteilen, wenn man einen Fremden gegenüber sitzen hat

Das wollte ich nur noch schnell kundtun, sollte auch kein persönlicher Angriff sein

LG, Melsi


Antwort: Re: Re: oh ja...

Rose
(37 Beiträge)
von asadu am 28.04.2010 um 12:03 zitieren

Hallo Melsi,

ich sag ja, das Dingen ist rein subjektiv aus eigenen Erfahrungen geboren, auf keinen Fall aber wirklich ernst zu nehmen.

Da gibt es ja auch sehr viele Varianten: Professionell euphorisch/chaotisch oder unprofessionell euphorisch/chaotisch. Die unprofessionelle hat mich schon mal ordentlich krank gemacht.

Umbruchphasen sind ja auch sehr spannend. Sollte dies gut vorangehen, und dabei Deinen Kollegen der rote Faden nicht verloren, spricht überhaupt nichts gegen eine gute Portion Euphorie! Insofern: herzliches Vorankommen!



Lieben Gruß
Anja


Antwort: Da sagst Du was :-)

Kaiserin
(1270 Beiträge)
von Melsi am 28.04.2010 um 12:17 zitieren

Hallo Asadu,

ich kann Dir nur recht geben

Wir hatten bis vor drei Jahren zwei GFs bei uns im Unternehmen - jetzt schmeißt meine bessere Hälfte den Laden alleine.

Der Ex-Chef war ein echt töfter Typ mit dem wirklich Spaß haben konnte. Bei Firmenevents war er einfach grandios, konnte Stimmung ohne Ende verbreiten. Im Tagesgeschäft gehörte er jedoch zur Kategorie unprofessionell euphorisch/chaotisch. Das hat ihm dann letztendlich auch das Genick gebrochen.

Seitdem leben wir alle etwas ruhiger und arbeiten professionell und gelassen. Die Stimmung im Team ist viel besser geworden.

In diesem Jahr haben wir einiges vor und es ist und bleibt spannend. Alle unsere Mitarbeiter sind hochmotiviert, haben Spaß an den neuen Projekten und wir kommen gut voran. Sicherlich ist es im Moment auch extrem hektisch und die Arbeit wird mehr, aber es macht uns allen viel Spaß und Freude

Mal sehen, was in diesem Jahr alles auf uns zukommt. Die ersten Schritte sind getan und ich bekomme ab dem Spätsommer endlich auch wieder Unterstützung im Sekretariat. Seit zwei Jahren habe ich keinen Azubi mehr gehabt und musste meinen Bereich für 29 Angestellte alleine betreuen - war/ist echt hart

Also ... Ärmel hoch und los gehts

Liebe und sonnige Grüße, Melsi


Antwort: Re: Wie guck ich ihm hinter die Stirn?

Supernova
(115 Beiträge)
von gitti am 30.04.2010 um 12:03 zitieren

Hallo Esbe,

ich habe mehrmals die Erfahrung gemacht, dass Männer in leitenden Positionen, die sich anfangs betont lässig, locker-flockig und umgänglich gaben, sich als echte A.... entpupppt haben.
Da würde ich also inzwischen sehr vorsichtig mit sein. Aber ich weiß nicht, ob das allgemein gültig ist.

Es ist natürlich schwierig, in einer Vorstellungs-Situation alle Fühler auszufahren und mitzukriegen, wie dein Gegenüber gepolt ist. Aber falls möglich, würde ich zwischendurch einfach mal einen kurzen Moment versuchen, still zu sein und in meinen Bauch zu hören.

Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Glück bei deinen Bemühungen.
Gitti


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