Thema: Chefs glauben nicht mehr an Firma?!


Kaiserin
(382 Beiträge)
von EGE76 am 27.04.2010 um 10:03 zitieren

Hallo Mädels,

heute melde ich mich trotz super Sonnenschein in etwas nachdenklicher Laune.
Ich werde seit einigen Tagen das Gefühl nicht los, dass meine beiden Chefs grad Alles in Frage stellen. Zum Einen merke ich das an verschieden Äußerungen (\"die neue Struktur wird die Firma kaputt machen\") also auch an psychologischen Anwandlungen wie \"man muss das Leben genießen, seine Träume verwirklichen, sich nicht festlegen lassen\" etc pp.

Anlass war sicherlich auch die Kündigung eines GF eines anderen Unternehmens unserer Gruppe. Er wird künftig eine ganz andere Richtung einschlagen. Er hat sich nach einem Burnout + Therapie dafür entschlossen.

Bei uns ist schon ziemlich viel im Umbruch, auch für mich und die anderen MA ist das nicht (immer) einfach. Dennoch glaube ich (noch) an die Firma und an das was ich jeden Tag hier leiste. Aber wenn man vom GF dann solche Äußerungen hört, dann kriegt das doch noch mal ein ganz anderes Gschmäckle. Und für mich stellt sich die Frage, ob ICH überhaupt noch eine Zukunft hier habe?

Die Firma hatte es zwar im letzten Jahr auch nicht leicht, steht aber immer noch gut da und es geht ja jetzt auch wieder bergauf. Ich bin mit meinem Job zufrieden, komme mit den MA gut aus und konnte mir bis jetzt immer vorstellen, hier alt zu werden.

Aber nun? Ist das die Midlifecrisis bei meinen Chefs? Oder reagieren sie so, weil sie naturgemäß besser informiert sind und deshlab Entwicklungen besser abschätzen können?

Ich weiß es nicht....mich schlaucht diese Demotivation und das Gerede von \"macht doch was ihr wollt\", \"wofür mache ich das hier eigentlich\" bis hin zu \"der Mensch muss sein Leben leben!\"

So, das wollte ich einfach mal loswerden. Ich kann hier in der Firma schlecht darüber reden und ich weiß auch nicht, ob man dazu einen Rat bekommen kann. Wahrscheinlich muss ich für mich selber schauen, wie lange ich noch damit klar komme und ob ICH was für mich ändern will.

In diesem Sinne also danke für\'s Zuhören!

Viele Grüße
EGE76


Antwort: Re: Chefs glauben nicht mehr an Firma?!

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 27.04.2010 um 10:34 zitieren

Halle EGE76,

mich würde dieses Gerede auch unruhig machen. Meiner redet manchmal auch so bedeutungsschwanger, da spreche ich ihn auch direkt darauf an und frage, ob er mir damit etwas sagen möchte. Und in Deinem Fall würde ich auch mal sagen, dass diese Andeutungen gewissen Schlüsse zulassen, ob das gewollt sei? Und nicht zuletzt, wenn Du ein gutes Verhältnis zu Deinem Chef hast, würde ich auch direkt sagen, mir macht ihr Gerede \"Angst\", ich habe das Gefühl, hier stehen Umbrüche an und wir wissen von nichts. Sind wir betroffen?
Wird denn im Kollegenkreis auch schon drüber gesprochen? Dann wäre es erst recht an der Zeit, Informationen einzufordern, denn so was verbreitet sich ja sonst ungebremst und kann auch negative Aussenwirkung erzielen.
Ich wäre der Typ des ansprechens, dass andere meinen mögen, man solllte sich erst mal zurückhalten, kann ich mir auch vorstellen, aber mein Weg wäre es nicht. Das hält meine geklärt-haben-will-Ader nicht durch.
Wonach verlangt es Dir denn?

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Re: Chefs glauben nicht mehr an Firma?!

Kaiserin
(1269 Beiträge)
von Melsi am 27.04.2010 um 10:34 zitieren

Hallo EGE76,

au weia, das liest sich nicht gut

Ich finde es generell von Chefs unfair, wenn sie bei den Angestellten \\\"schlecht Wetter\\\" verbreiten. Das ist einfach keine Art und Weise.

Wie alt sind Deine Chefs? Ist es vielleicht wirklich eine Midlifecrisis?

Mein Chef (und Lebensgefährte) macht auch immer wieder solche Phasen durch. Er ist nun 46 Jahre alt und seine Stimmungen schwanken schon seit ein paar Jahren

Allerdings redet er nicht mit seinen Angestellten darüber, dass alles Mist ist, ihm die Arbeit nicht mehr schmeckt usw.

Ich finde das auch nicht wirklich gut, denn solche Reden verbreiten nur enormen Unmut und Demotivation in der Mannschaft. Auf Dauer schädigt das das gesamte Betriebsklima - Mitarbeiter kündigen usw.

Du solltest mit Deinen Chefs offen darüber reden, sie direkt darauf ansprechen, warum sie so denken, warum sie solche Aussagen vor der Mannschaft (oder vor Dir) überhaupt treffen und ihnen auch den Hinweis geben, dass man sowas als Chef nicht macht.

Vielen Chefs hilft es, wenn sie offen mit ihrer Assi/Sekki darüber sprechen können. Eventuell warten sie ja nur darauf, dass Du das Thema offen mit ihnen besprichst?!

LG, Melsi


Antwort: Klären oder Warten?

Kaiserin
(382 Beiträge)
von EGE76 am 27.04.2010 um 11:02 zitieren

Suse und Melsi!
Erstmal danke für Eure Postings.

Ich denke es sind verschiedene Ansätze, die meine Chefs grad so ticken lassen:

1. Midlifecrisis (48 und 52 Jahre sind die Beiden alt)

2. Chef1 hat 100pro grad was mit einer Dame am Laufen obwohl er verheiratet ist und ist auf dem Trip: was kostet die Welt? Her mit meinem Leben! Der Laden kotzt mich an und Daheim sowieso!

3. Chef2 (bisher immer stockkonservativ) versucht irgendwie aus seiner Haut raus zu kommen, schaffts aber nicht. Er bewundert Chef1 und will am liebsten auch so sein.

4. Seit wir 100% in der Gruppe eingegliedert sind, kommt ziemlich viel Arbeit von unserer Holding. Ergo können Chef1 und Chef2 zwei sich auch hier nicht richtig entfalten.

5. Beide glauben inzwischen, dass sie voll die Möpse sind, alles im Leben verpasst haben (ja klar bei DER Kohle!!!) und sind mit nichts mehr zufrieden.

6. Evtl. tiefgreifende Änderungen/Konzepte und damit zu treffende (Personal-)Entscheidungen gehen an die Substanz. Man will ja nicht der \"Böse\" sein.

Toll und zwischen all den Launen darf ich schön hier, sitzen, die Fahne hoch halten und demotivierte Mitarbeiter aufbauen.

Manchmal frage ich mich schon, warum ich jetzt diese und jene Aufgabe machen soll, wenn mein Chef eh nicht dahinter steht. ich kann ihn ja garnicht mehr ernst nehmen.

Mal sehen, vielleicht werde ich das bei Gelegenheit ansprechen. Ich will mich da halt nicht verzetteln und habe Angst, dass ich danach noch mehr verunsichert bin.

Mal sehen.......Bin eigentlich auch eher der Klärer- anstatt der Schluckrunter-Typ

Viele Grüße
EGE76


Antwort: Re: Klären oder Warten?

Kaiserin
(456 Beiträge)
von Julia am 27.04.2010 um 12:16 zitieren

Hallo EGE76!

Die Situation würde mich auch ziemlich mitnehmen. Da auch ich ein \"Klärer-Typ\" bin, würde ich in jedem Fall das Gespräch suchen. Am besten, wenn wieder eine Bemerkung ähnlicher Art fällt (und die Zeit\'s dann hergibt).

Es gibt noch eine andere Sichtweise für diese Lage, die wurde hier noch nicht erwähnt. Ich habe das in anderen (einigermaßen vergleichbaren) Situationen erlebt und da war es schlicht ein Vertrauensbeweis.

Wir wissen es doch alle, eine Sekretärin bekommt sehr viel mehr mit von der Geschäftspolitik, von der Stimmung, vom Privatleben (der Chefs und der Mitarbeiter - je nach Größe des Unternehmens) als andere.

Wenn die Chefs - aus welchem Grund auch immer - unzufrieden oder unsicher werden, dann haben sie nicht immer jemandem, mit dem sie darüber reden können. Wenn das Privatleben nicht mehr zufrieden stellt (und anderweitig Bestätigung gesucht wird), dann können sie vermutlich mit der Frau nicht mehr reden. Wenn der Job zu denken gibt (siehe Burnout und komplette Neuorientierung des anderen GF), dann kann das zu Unsicherheiten führen zumal die aktuelle Lage bei vielen Unternehmen nicht gerade leicht ist. Wer kennt die Situation gut genug, um Verständnis aufzubringen oder \"den Kopf wieder gerade zu rücken\"? Die Sekretärin!

Was solche Bemerkungen anrichten können, ist ihnen vermutlich nicht bewusst. Sie sind erst einmal ein Ventil, um sich von dieser Unsicherheit, diesem Unmut zu befreien. Gegen die Wand redet niemand gern, also muss die Sekretärin herhalten.

Aber Reden geht auch in die andere Richtung und wie sagt meine Kollegin immer so schön: \"Reden hilft!\"

In diesem Sinne wünsche ich eine gute Klärung, damit der \"Schaden\" nicht größer wird!

Liebe Grüße
Julia


Antwort: Re: Klären oder Warten?

Kaiserin
(1269 Beiträge)
von Melsi am 27.04.2010 um 12:30 zitieren

Hallo EGE76,

das alles ist für mich gerade ein Deja-vu

Mein Chef hat auch so getickt. Er war mit dem Job unzufrieden, zu Hause lief es überhaupt nicht mehr und dann kam ich

Er stand damals auch knapp vorm Burnout, konnte weder sich selbst noch seine Mannschaft motivieren. Ich habe ihn aufgefangen - heute sind wir ein Paar *lach*.

Männer in verantwortungsvollen Positionen sind häufig sehr unzufrieden, obwohl sie alles haben, was Mann so braucht. Sie haben eine Frau und ggf. Kinder zu Hause, besitzen ein schönes Haus, fahren tolle Autos, die Umsatzzahlen stimmen, sie verdienen genug Geld und trotzdem ... es fehlt was ganz Wichtiges: Die Bestätigung von Außen.

Chefs erhalten selten bis nie ein Lob von ihren Vorgesetzten (wie bei Deinen Chefs). Im Gegenteil, sie werden ständig geschubst, werden in den Senkel gestellt, es wird Druck ausgeübt (oft auch ohne Gründe) usw. usw.

Das frustriert die Herren, was ich auch nachvollziehen kann.

Mein Chef hat sich auch immer beschwert, dass er immer gute Mine machen soll, obwohl ihm nicht danach ist. Es hat ihm gestunken, dass ihn nie einer mal motiviert oder gelobt hat. Aber er musste der Mannschaft gegenüber immer der gutgelaunte und motivierte Chef sein.

Ich verstand ihn und habe ihn darauf hin motiviert und unterstützt, wo es nur ging. Es tat ihm wirklich gut. Er konnte Energie tanken, hat seinen Job plötzlich wieder gerne gemacht und alles lief rund.

Allerdings muss ich sagen, dass er sein Leben auch komplett umgekrempelt hat. Erst trennte er sich von seiner (Ex-)Frau, danach hat er sich von seinem (Ex-)Partner in der Firma getrennt. Er hat sein Leben quasi von Grund auf neu ausgerichtet. Das war nicht einfach, aber er hat es geschafft.

Das meinen Deine Chefs auch mit der Aussage \\\"das Leben genießen und leben\\\" (oder so ähnlich).

Jeder Mensch sollte sich selbst verwirklichen können, wenn es denn geht.

Jeder Mensch hat nur das eine Leben zur Verfügung und MUSS das Beste daraus machen.

Du kannst nur eines tun: Deinen Chef auf die Situation ansprechen, ihm aufmerksam zuhören und ihn unterstützen, wo es nur geht. Wenn er Dir vertraut und Du ihm hilfst, dann werden sich die Dinge sicherlich auch ändern und er streut nicht mehr soviel schlechte Laune in die Mannschaft. Wenn er sich bei Dir auskotzen kann, dann hat er sein Ventil.

Du musst nur aufpassen, dass er Dich nicht als Müllkippe missbraucht - die Gefahr ist hier groß, dass Du dann plötzlich vor einer Krise stehst, während es ihm besser geht.

Es ist nicht einfach, aber es ist zu schaffen.

LG, Melsi


Antwort: Selbstmotivation

Kaiserin
(382 Beiträge)
von EGE76 am 27.04.2010 um 19:52 zitieren

Guten Abend zusammen!
Herzlichen Dank für Eure Postings.
Ich habe mir sehr genau durch gelesen, was melsi geschrieben hat. Und es stimmt, denn eigentlich weiß ich es aus eigener Erfahrung:

Auch Chefs sind nur Menschen und wir wissen Alle je höher unsere Position angesiedelt ist, desto einsamer wird man. Ich habe es früher schon bemerrkt, dass mein Chef sich manchmal bei mir ausk... und es ihm dann auch besser ging. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich konnte auch immer gut mit ihm und seinen Launen umgehen.
Zudem ist er sehr umgänglich und da irritiert es natürlich umso mehr, wenn er dann mal eine schwere Phase durchmacht.

Aber Mädels, ihr habt recht: ich lass mich jetzt nicht weiter runter ziehen und werde versuchen ihn zu motivieren und zu loben, damit er sich auch wieder bestätigt und somit besser fühlt. Immerhin haben dann 500 weitere Mitarbeiter auch was davon

Also danke nochmal!!!

Viele Grüße
EGE76


Zurück zur ÜbersichtSie müssen sich einloggen zum Antworten