Thema: Grad der Behinderung bei Bewerbung angeben?


Tulpe
(20 Beiträge)
von Mondhexe am 20.01.2010 um 14:34 zitieren

Hallo an Alle,

nun habe ich mal eine bzw. mehrere Fragen, die immer wieder bei mir auftauchen: muß bzw. soll man im Lebenslauf und/oder dem Anschreiben bei einer Bewerbung den Grad der Behinderung bzw. die Gleichstellung angeben?

Habt Ihr Erfahrungen, was mit Bewerbungen mit diesen Angaben gemacht wird? Finden die bei Euch Berücksichtigung oder werden sie gleich aussortiert?

Ist man aus rechtlichen Gründen dazu verpflichtet das anzugeben?

Wie sieht es während des Vorstellungsgespräches aus - muss man das dann angeben, auch wenn es nicht in den Bewerbungsunterlagen steht?

Darf ich NEIN sagen, auch wenn ich direkt danach gefragt werde?

Wie kann ich im Vorstellungsgespräch antworten, wenn ich direkt nach meinem Gesundheitszustand gefragt werde? Muß ich angeben, dass ich eine chronische Krankheit (CED) habe, mich mit Medikamenten vollpumpe und dafür auch regelmäßige Arztbesuche notwendig sind?

Es wäre toll, wenn Ihr mir da weiter helfen würdet!

Danke und liebe Grüße
Mondhexe


Antwort: Re: Grad der Behinderung bei Bewerbung angeben?

Kaiserin
(1269 Beiträge)
von Melsi am 20.01.2010 um 14:45 zitieren

Hallo Mondhexe,

generell ist man als Bewerber nicht dazu verpflichtet eine Behinderung in die Bewerbung reinzuschreiben - ich würde das auch nicht tun.

In vielen Firmen werden \\\"Behinderte\\\" nicht eingestellt, das höre ich gerne auch mal im Bekanntenkreis. Behinderte haben einen Sonderstatus in Unternehmen und (zumindest war es früher so) durften Behinderte auch nicht gekündigt werden bzw. mussten zuletzt gekündigt werden, wenn ein AG Personal abbauen muss. Ob das heute noch ist, weiß ich nicht.

Andere Firmen wiederum haben damit keine Probleme. Warum auch? Ein \\\"Behinderter\\\" arbeitet schließlich genau so gut, wie ein gesunder Mensch auch - und mal ehrlich ... sind wir nicht alle ein bisschen bluna

Ich arbeite in meiner Firma u. a. im Personalbüro und weiß, dass jährlich vom Integrationsamt der Arbeitsagenturen ein Meldebogen ausgefüllt werden muss. Da gehts um eine Behindertenabgabe die gezahlt werden muss. Je nach Mitarbeiterzahl wird ein Faktor ermittelt, wie viele Behinderte man quasi beschäftigen sollte. Für jeden nicht behinderten Angestellten zahlt man dann eine Ausgleichsabgabe. Finde ich persönlich auch in Ordnung

Würde ich im persönlichen Gespräch nach der Behinderung gefragt werden, dann würde ich persönlich schon mit \\\"ja\\\" antworten. Allerdings ist man soweit ich weiß nicht dazu verpflichtet, genau zu sagen welche Behinderung man hat - es geht wohl lediglich um den Status eines Behinderten.

Ganz genau kenne ich die Regelungen auch nicht.

LG, Melsi


Antwort: Behinderung

Kaiserin
(802 Beiträge)
von Su0811 am 20.01.2010 um 15:18 zitieren

Hallo Mondhexe,

diesen Artikel habe ich von der Seite der DMSG. Vor allem im unteren Teil wird deine Frage beantwortet.

Kommt natürlich daruf an welchen GdB du hast und wie stark deine Krankheit deinen Arbeitsalltag beinflußt....


Schöne Grüße
Su0811
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FAQ - Behindertenausweis
Welche Vor- und Nachteile hat ein Schwerbehindertenausweis und wo beantrage ich diesen?

Ein Schwerbehindertenausweis wird vom Versorgungsamt ausgestellt, wenn der Grad der Behinderung (GdB) wenigstens 50 beträgt. Er dient dazu, die Behinderung gegenüber Sozialleistungsträgern, Behörden, Arbeitgebern und anderen nachzuweisen.

Die Schwerbehinderteneigenschaft ermöglicht:

zahlreiche Hilfen beim Erhalt/zum Erlangen eines Arbeitsplatzes bzw. einer selbstständigen beruflichen Existenz wie z. B.

* technische Arbeitshilfen
* Kraftfahrzeughilfe zur Beschaffung eines behindertengerechten Fahrzeugs bzw. zum Umbau eines Vorhandenen
* Wohnungshilfe zur Beschaffung von behinderungsgerechtem Wohnraum bzw. zur entsprechenden Anpassung von Wohnraum
* Finanzierung von Probearbeitsverhältnissen
* Gewährung eines Minderleistungsausgleichs an Arbeitgeber
* den besonderen Kündigungsschutz für Schwerbehinderte und Gleichgestellte
* steuerliche Nachteilsausgleiche.

Wenn die Voraussetzungen für weitere Nachteilsausgleiche die sogenannten \"Merkzeichen\" vorliegen, kann beispielsweise

* die unentgeltliche Beförderung im Personenverkehr bzw. die (teilweise) Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer Anspruch genommen werden
* ein Behindertenparkausweis beantragt werden bzw., wenn die strengen Voraussetzungen hierfür im Einzelfall nicht ganz erfüllt sind, eine Ausnahmegenehmigung für bestimmte Parkerleichterungen.

Im Rahmen der Bewerbung bei einem neuen Arbeitgeber muss dessen ausdrückliche Frage nach einer Schwerbehinderteneigenschaft wahrheitsgemäß beantwortet werden. Dies gilt unabhängig davon, ob die Behinderung überhaupt geeignet ist, die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers am konkreten Arbeitsplatz zu beeinträchtigen. Von sich aus muss der Arbeitnehmer die Schwerbehinderteneigenschaft nicht offenbaren, es sei denn, dass die Behinderung gerade im Hinblick auf den konkreten Arbeitsplatz von Bedeutung ist.

Ob ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden soll, muss im Hinblick auf die persönliche, gesundheitliche sowie berufliche Situation abgewogen werden. Auf Grund der angeblich erschwerten Kündigungsmöglichkeiten, des Zusatzurlaubs (5 Arbeitstage) und einer möglicherweise unterstellten verminderten Leistungsfähigkeit von Schwerbehinderten kann sich ein Schwerbehindertenausweis bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz auch einmal weniger vorteilhaft auswirken.

Nähere Auskünfte sind zu erhalten bei den Integrationsämtern. Diese sind je nach Bundesland unterschiedlich in die Landesverwaltung integriert. Die einzelnen Adressen lassen sich unter www.integrationsaemter.de abrufen.

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“
(Eleanor Roosevelt)


Antwort: Re: Grad der Behinderung bei Bewerbung angeben?

Kaiserin
(5168 Beiträge)
von Suse am 20.01.2010 um 15:26 zitieren

Hallo Mondhexe,

ich sehe zwar die eingehenden Bewerbungen, aber wir hatten noch keine, wo eine Behinderung angesprochen wurde. Ich bin also völlig unbedarft bei diesem Thema und kann Dir nicht mit Erfahrungen dienen.
Dachte aber gleich beim Lesen von Deinem Posting, dass ich hier mal bei der Stadt nachfragen würde, die haben eine Beauftragte für Behinderte (klingt seltsam aber heißt hier so, habe extra geguckt) und ich denke, da muß es jemanden geben, der Dir Deine Fragen zumindest über die rechtlichen Grundlagen beantworten können müßte. Wäre das eine Ansatzmöglichkeit? Solltest Du gewerkschaftlich organisiert sein, gibt es da sicherlich auch Auskünfte oder ich verweise ja sonst auch gerne auf das Forum bei recht.de, da antworten Anwälte, das müßte auch Sicherheit geben.
Die menschliche Seite läßt sich glaube ich ganz schwer einschätzen. So wie Melsi schreibt, gibt es ja scheinbar eine Abgabe, wenn man keinen Mitarbeiter mit einer Behinderung beschäftigt, wußte ich auch nicht, vielleicht gibt es dann auch wiederum finanzielle Förderungen, wenn man dies tut?? Klingt irgendwie alles häßlich finde ich. Aber vielleicht wäre das wieder Anreiz für einen AG jemanden einzustellen.
Ich weiß nicht, inwieweit esbe sich in diesem Bereich auskennt, aber sie ist sozial sehr engagiert und konnte hier schon so manche Frage beantworten. Vielleicht weiß sie hierzu auch etwas und meldet sich noch.

Mich persönlich würde interessieren, was Du herausfindest. Vielleicht magst Du Deine Ergebnisse ja mal posten.

Viel Erfolg bei dem, was Du angehen möchtest, Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!


Antwort: Das sagt Haufe.de

Königin
(275 Beiträge)
von Bruxa am 21.01.2010 um 13:12 zitieren

.3 Fragen nach einer Schwerbehinderung oder Schwerbehinderteneigenschaft
Die Frage nach einer vorliegenden Schwerbehinderteneigenschaft (§ 1 SchwbG) oder einer Gleichstellung (§ 2 SchwbG) darf im Bewerbungsgespräch gestellt werden. Der Arbeitnehmer hat die Pflicht, auf diese Frage wahrheitsgemäß zu antworten, denn der Arbeitgeber soll das Maß der gesetzlichen Pflichten und betrieblichen Auswirkungen der Einstellung übersehen können[1].

Zur Offenlegung seiner Schwerbehinderteneigenschaft ohne Nachfrage des Arbeitgebers ist der Arbeitnehmer nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts aber nur dann verpflichtet, wenn er erkennen kann, dass die verschwiegenen Umstände ihm die Erfüllung der arbeitsvertraglichen Leistungspflicht unmöglich machen oder sonst für den in Betracht kommenden Arbeitsplatz von ausschlaggebender Bedeutung sind[2].

Ähnliche Grundsätze gelten für die Angabe der konkreten Schwerbehinderung oder anderen Körperbehinderungen, die noch keine Schwerbehinderteneigenschaft i. S. d. § 1 SchwbG darstellen. Die Frage nach diesen Behinderungen ist streng von der Frage nach der Schwerbehinderteneigenschaft zu trennen.

Nach Auffassung des BAG kann die unrichtige Beantwortung der Frage des Arbeitgebers nach einer Körperbehinderung eines Stellenbewerbers nur dann eine Anfechtung des Arbeitsvertrages wegen arglistiger Täuschung nach § 123 BGB rechtfertigen, wenn die verschwiegene Körperbehinderung erfahrungsgemäß die Eignung des Arbeitnehmers für die vorgesehene Tätigkeit beeinträchtigt[3].


HaufeIndex 12955


Antwort: Re: Grad der Behinderung bei Bewerbung angeben?

Newcomer
(2 Beiträge)
von Seiltanz am 28.01.2010 um 14:32 zitieren

Ich weiß nicht, warum du diese Fragen stellst. Bevor du Angaben machst würde ich versuchen herauszufinden, warum das Unternehmen die Angaben braucht. Ich arbeite in einem Integrationsunternehmen und wir stellen bevorzugt Menschen mit Behinderungen ein, da dies 1. unser Unternehmenszweck ist, 2. dieses Personal auch hoch gefördert und 3. wir eine Quote von mindestens 25 % benötigen. Daher würde jeder Bewerber mit einem festgestellten Grad der Behindert bei uns bevorzugt eingestellt. Bei einem ‚normalen‘ Unternehmen wäre ich da auch eher vorsichtig mit den Angaben und würde den Grad der Behinderung nicht angeben oder eben zur gegebenen Zeit, wenn mich diese Behinderung beeinträchtigt. Schließlich können Menschen auch nach einiger Zeit an Diabetis, Morbus Chron oder Krebs erkranken und so zu dieser Zielgruppe gehören Falls du da weitergehenden Rat brauchst, könnte ich eine Kollegin vom Integrationsfachdienst (IFD) fragen. An den IFD kannst du dich aber auch selbst wenden. Den gibt es für jede Stadt oder Gemeinde.

Liebe Grüße, Seiltanz


Antwort: Kommt drauf an

Kaiserin
(450 Beiträge)
von Kerstin_K am 06.02.2011 um 00:00 zitieren

Diese Frage kann man nicht allemein beantworten, dass muss man von Fal zu Fall entscheiden.

Gerade in größeren Unternehmen ist es oft so, dass, wenn sich lemand mit Behinderung bewirbt, automatisch der Schwerbehintertenvertreter bei einem Vorstellungsgespräch dabei ist.

Ich persönlich bin dafür, spätestens im Vorstellungsgespräch mit offenen Karten zu spielen. Ich selber bin Rollstuhlfahrerin, von daher hab ich eh keine andere Wahl. Ich erwähne meine Behinderung auch in Bewebungen, einfach, weil wenn ich zum Gespräch geladen werde, man sonst einfach erstmal eschockt ist. Werde ich deshalb aussortiert, so war das eh nicht der richtige Arbeitgeber für mich.

Den GdB gebe ich aber nicht unbedingt in der Bewerbung an. GdB 100 ist einfach abschreckend für Menschen, die von dem Thema keine Ahnung haben.

Die Ausgleichsabgabe sollte man meiner Meinung nac drastisch erhöhen. Die zahlen die Firmen doch aus der Portokasse.

Und der Kündigungsschutz. Naja, wenn der Arbeitgeber deutlich macht, dass er wegen der Behinderung kündigt, dann sagen die schonmal nein, aber welcher AG ist schon so blöd? In der Regel werden da doch andere Gründe vorgeschoben und dann hilft der Kündigungsschutz gar nichts.

Viele Grüße aus Hannover

Kerstin


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