Thema: Flurfunk, Klatsch & Tratsch


Kaiserin
(382 Beiträge)
von EGE76 am 29.09.2009 um 09:19 zitieren

Guten Morgen zusammen!

Heute möchte ich Euch fragen, wie Ihr an Informationen Eurer Kollegen „rankommt“ bzw. wie Ihr damit umgeht.
Aus meiner bisherigen Erfahrung heraus, habe ich mich entschlossen, mich beim Flurfunk zurück zu halten. Klar, dabei entgeht mir Einiges an Klatsch und Tratsch und auch diese „news“ haben ja immer einen gewissen Wahrheitsgehalt.

Mein Problem ist, dass die Kollegen für ihre Infos als „Bezahlung“ auch Infos von mir haben möchten. Und das kann ich mir wirklich nicht leisten. Ich bin Assistentin des GF, erfahre so ziemlich alles als Erste und das aber nur, weil mein Chef weiß, dass ich dicht halte. Ich kann das Vertrauen unmöglich aufs Spiel setzen, in dem ich mich, nicht mal im Kleinen, am Flurfunk beteilige.

Daraus entsteht natürlich eine gewisse Isolation, mit der ich persönlich allerdings überhaupt keine Probleme habe. Ich sehe mich in einer Art Seifenblase, die an meinen Chef angekoppelt ist und alles was ich mache hat einen direkten Zusammenhang mit den Aufgaben meines Chefs. Das stößt teilweise natürlich auf Unverständnis und sogar Feindseligkeit. Einmal wollte unsere Dame von der Zentrale (auch die Klatsch-Zentrale hier im Haus) etwas über eine Personalangelegenheit wissen. Nachdem ich ihr gesagt habe, dass ich darüber nicht reden darf, hat sie mich wochenlang geschnitten. Vorher hieß es immer: „Ach EGE76, hübsch siehst Du heute aus“...... „EGE76, ich mach das eben für Dich ist doch klar“..... aber wie gesagt, das ist nicht mein Bier.

Im Laufe der vier Jahre hier in der Firma, habe ich es dennoch geschafft, mir ein kleines Netzwerk von Kollegen (vielleicht 2-3) aufzubauen, die absolutes Verständnis dafür haben, dass ich nichts herumerzähle. Manche kommen sogar zu mir, erzählen mir was, und bitten mich dann, das bei Gelegenheit mal beim Chef zu erwähnen. Warum auch immer die das nicht selber machen wollen. Egal! Aber das ist dann quasi die „Bezahlung“ meinerseits für Infos, die ich erhalte.

Wie läuft das bei Euch? Wie erfahrt ihr Dinge, ohne direkt selber mit Infos bezahlen zu müssen? Habt ihr Tipps für mich, wie ich mein Netzwerk ausbauen kann, ohne mich irgendwo einzuschleimen (das kann ich so gar nicht)?

Danke schon mal für Eure Erfahrungen und Tipps!

Viele Grüße
EGE76


Antwort: Tratsch-Netzwerk?

Kaiserin
(4152 Beiträge)
von heddix am 29.09.2009 um 10:32 zitieren

Hallo EGE,

verstehe ich das jetzt richtig? Du willst wissen, wie du dir ein
\"Tratsch-Netzwerk\" aufbauen kannst? Also, da MUSS ich dich hoffentlich missverstanden haben.

Unter netzwerken verstehe ich nämlich etwas anderes - nämlich etwas Seriöses und Inhaltsreiches, aus dem ich einen Nutzen ziehen kann.

Von Tratsch und Klatsch hast du überhaupt nichts! Von daher \"verpasst\" du da auch nichts. Je weniger du über den Flurfunk erfährst je besser für dich. So kommst du auch nicht in eine Konfliktsituation Kollegen/Arbeitgeber. Und \"Freundschaften\" schließt du schon mal gar keine über Tratsch! Wenn eine Kollegin/Kollege dich schneidet, weil du keine Internat rausgibst - was willst du denn mit solchen Menschen?

Halte dich einfach raus und mache deine Arbeit, für die du bezahlt wirst und für die man dir vertraut - gerade als Sekki/Assi vom Chef!


Grüße
heddix


Antwort: Tratsch und Co.

Kaiserin
(4989 Beiträge)
von Chili am 29.09.2009 um 10:50 zitieren

Hallo EGE76,

auch bei mir ist es so, dass ich nicht sooo viel vom Flurfunk erfahre. Dies weil ich mich selbst nicht daran beteilige, weil es auch bei mir sein könnte, dass manche Kollegen als Gegenzug von mir Interna erfahren möchten. Die wissen aber, dass ich das nicht mache.
Sicher, sie sprechen mich manchmal auf Dinge an, weiß ich dann schon Bescheid tue ich einfach unwissend.
Oder man sagt mir auch Dinge, dich ich Cheffe weiterleiten soll \"bei Gelegenheit\" - da bitte ich die Kollegen, das doch selbst zu machen. Denn aus gewissen Dingen will ich mich raushalten, denn Cheffe soll nicht denken, dass ich z.B. für diesen Kollegen was weiterleite, für den anderen aber nicht... Ich möchte schon alle Kollegen gleich behandeln, auch wenn Cheffe schon weiß, wen ich mag oder nicht so sehr mag.
Sicher ist es auf gewisse Weise interessant zu erfahren, worüber die anderen Kollegen so reden und was grade so passiert und gemunkelt wird, aber da ist oft auch Falsches dabei und aus manch solchem Gerede kann dann auch schnell Streit oder gar Mobbing entstehen.
Ich denke, du brauchst nichts vom Tratsch zu wissen und wenn dir jemand einfach so was erzählt, ist das ok. Wenn man aber von dir einfordert, dass du was als Gegenleistung bringst, finde ich das schlimm. Die Kollegen müssen verstehen, dass du eine Vertrauensstellung inne hast und dass du deine Reputation nicht aufs Spiel setzen kannst und willst und darfst.
Da du sagst, es stört dich nicht, wenn du von manchen nicht beachtet wirst, denke ich, wirst du auch weiterhin so leben und arbeiten können.

Wenn du dich irgendwie am Tratsch beteiligst, wirst du zwangsläufig in eine brenzlige Situation kommen. Wie schnell hat man sich im vertrauten Gespräch versprochen?
Da würde ich persönlich lieber die Finger von lassen.

Hoffe, das hilft dir in deinen Überlegungen ein bisschen weiter.

Lieben Grüß
Chili


Antwort: KEIN Tratsch-Netzwerk!

Kaiserin
(382 Beiträge)
von EGE76 am 29.09.2009 um 11:41 zitieren

Hi heddix!

Keine Panik, da hast Du mich missverstanden! Es geht mir nicht darum irgendwelche persönlichen Dinge zu erfahren oder zu tratschen So nach dem Motto wer mit wem und warum. Mir geht es darum, wichtige Infomationen früher zu erfahren, um beispielsweise meinen Chef zu informieren, wenn ich es für wichtig halte.
Auslöser für meine Frage war eine Personalkiste, die wir (mein Chef und ich) Donnerstag letzte Woche erfahren haben. Ein Kollege (aus meinem Mini-Netzwerk) hatte genug in der Hose um meinen Chef über diese Angelegenheit zu informieren. Was weiß Gott auch richtig war und vor allem mega wichtig für eine anstehende Personalentscheidung! Die Info kam also grad noch rechtzeitig!!
In der Mittagspause habe ich mit meinem Kollegen nochmal darüber gesprochen und erfahren, dass die Sache schon seit Tagen im Haus herumgeht. Und natürlich ist es wie immer gelungen, den Chef außen vor zu halten.
Wie gesagt, dass war echt kurz vor 12 und ich bin froh, dass mein Kollege doch noch mit der Sprache raus ist. Klar ist aber auch, dass das eher die Ausnahme ist, weil ja keiner \"petzten\" will. Manche Dinge muss meines Erachtens aber der Chef unbedingt wissen, weil es um das Unternehmen geht.

Aus Tratsch und Klatsch halte ich mich eh raus. Wie gesagt, ich werde für was anderes bezahlt, liebe meinen Job und will den auch behlaten. Freunde hab ich glücklicherweise zu Hause, die brauch ich mir auch nicht in der Firma suchen.

Also alles okay

Viele Grüße
EGE76


Antwort: Puh, ich dachte schon ...

Kaiserin
(4152 Beiträge)
von heddix am 29.09.2009 um 13:28 zitieren

Hi Ege,

puh, ich dachte schon ... Nein, eigentlich nicht wirklich

Meistens ist es (leider) so, dass man vermeintlich wichtige Dinge wirklich erst über den Flurfunk mitbekommmt. Dennoch sind diese Infos gefährlich, weil eben Tratsch.

Es ist ja auch nicht die Regel - wie du ja auch schreibst -, dass man von Tratsch das Überleben der Firma abhängt. Von daher ist und bleibt es schwierig, die richtigen Schlüsse aus dem Flurfunkgetratsche zu ziehen.

Eine Lösung für dein \"Netzwerk\" habe ich aber dennoch nicht. Vielleicht sollte man sich auch einfach auf seinen gesunden Menschenverstand und sein Bauchgefühlt verlassen und nicht alles interpretieren was man so hört.

Ich wünsch\' dir was ...

Beruhigte Grüße
heddix


Antwort: Re: Flurfunk, Klatsch & Tratsch

Kaiserin
(2043 Beiträge)
von Kirsten am 30.09.2009 um 11:31 zitieren

Hallo EGE76,

wer im Sekretariat von Vorstand oder Geschäftsführung sitzt, ist oft einsam oder kann es schnell werden. Beim Flurfunk wird man anders behandelt als der Rest der Kollegen oder bleibt gar außen vor, da die Mitarbeiter mit der Einordnung dieser Rolle nicht zurecht kommen. Ich fand immer, dass man zu keiner Seite so richtig dazu gehörte - weder zum Management, noch zu den Kolleginnen und Kollegen. Gestört hat es mich allerdings nie, die Akzeptanz ließ mich vielmehr geeignet erscheinen für die Rolle (in einem Assessment Center wurde dieser Punkt übrigens von einem Personaler regelrecht herausgearbeitet) - und das ist m. E. schon die beste Voraussetzung, mit dieser Tatsache umzugehen.

Kolleginnen und Kollegen, die immer alles als erste und dazu noch am besten wussten, waren eh nie mein Ding. Sie waren - wenn ich an diese Zeitgenossen denke - auch nicht gerade das, was man Sympathieträger nennt. Im Gegenteil empfand ich sie oft als sehr negativ, die meckerten schon über die Fliege an der Wand, und waren sensationslüstern. Ein bisschen ähnlich der Lindenstraßen-Frau Kling und so überhaupt nicht das, was ich um mich haben wollte. Und daher konnte ich sehr gut damit leben, wenn ich DIE sensationellsten aller Neuigkeiten von denen nicht erfuhr. ;-D Ich hatte also nie den Anspruch, an alle Infos herankommen zu müssen; wenn etwas wirklich relevant war, habe ich es allerdings meist erfahren - dann aber über andere zuverlässige Kanäle und ohne Erwartung einer \"Gegenleistung\".

Wer sich für den Job einer GF- oder Vorstandsassistentin entscheidet, geht nun mal gleichzeitig eine Pflicht zu Loyalität und Verschwiegenheit ein - wenn er das dann nicht auch lebt, macht er einen schlechten Job.
Ich habe das nie vor anderen erklärt, schließlich sah ich mich nicht in der Position, meine Verschwiegenheit rechtfertigen zu müssen, um die Tratscher milde zu stimmen oder auskunftsfreudig zu erhalten.

Der Lohn für dieses Verhalten war m. E. immer der Aufbau und Fortbestand eines vertrauensvollen Verhältnisses zum Chef - und ein gutes Standing als vertrauenswürdige Assistentin auch bei anderen Führungskräften. Die, die das anders bewerteten, waren übrigens in meinem Fall auch jene, die mir den Job neideten.

Dem Verschwiegenheitsanspruch gerecht zu werden, finde ich eigentlich auch nicht schwierig. Meine Freundschaften habe ich eh im Privatleben und nicht im Job - wahrscheinlich bringt auch das die Position als solche mit sich.

Allerdings sind auch GF-Assis nur Menschen, daher finde ich es wichtig, schon jemanden zu haben, mit dem man auch mal über vertrauliche Dinge sprechen kann, wenn sie einen selber sehr belasten (vor Jahrzehnten wurde mein Chef mal gefeuert, ich kannte die Interna, durfte darüber aber nicht sprechen, wurde regelrecht aufgefordert, Geschichten zu erzählen, blieb allein zurück, niemand kümmerte sich, ich wusste nicht, wie es weitergehen würde...) Das war schon hart und ich brauchte einfach jemanden, um damit klarzukommen. Hier hatte ich eine sehr gute Freundin (mein damaliger Partner tickte ganz anders, der hätte das nie verstanden), die mit unserer Firma gar nichts zu tun hatte. So etwas finde ich auch wichtig, denn letztlich muss man auch sicherstellen, dass man selber mit diesen Informationen umgehen kann und sie einen - wenn zu belastend - nicht krank machen. Allerdings wäre ich nie auf die Idee gekommen, im Bereich darüber zu sprechen, so sehr auch gebohrt und provoziert wurde.

Viele Grüße
Kirsten

Derjenige, der sagt: 'Es geht nicht', sollte den nicht stören, ders gerade tut.


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