Thema: Überqualifiziert, wie geht es weiter?


Newcomer
(4 Beiträge)
von Ruth_Manuela am 13.02.2009 um 19:26 zitieren

Liebe Kolleginnen,

ich bin mir sicher, dass die eine oder andere von Euch auch bereits vor dem Problem gestanden ist, dass man mit zunehmenden Alter und entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen irgendwann zu überqualifiziert ist, für die Assistentinnen Tätigkeit. Nein jetzt bitte nicht falsch verstehen. Ich möchte damit niemanden auf die Füße treten und sagen, eine Assistentinnen Stelle ist etwas minderwertiges. Ganz im Gegenteil. Genau durch die Vielfältigkeit, die ein Arbeitstag in diesem Bereich mit sich bringt, wird man so oft vor Herausforderungen gestellt, dass man immer flexibel reagieren muss. Seinen Job aus dem ff beherrschen muss, da schon die die nächste Aufgabe bewältigt werden muss. Um dieses Paket überhaupt zu schaffen, muss man entsprechende Fortbildungen besuchen, sich immer auf dem Laufenden halten.

In meinem Fall kann ich sagen, dass ich eine Ausbildung zur Office-Managering gemacht habe. Anschließend noch die Ausbildung zur QM-Beauftragten mit einer weiterführenden Zusatzausbildung zum QM-Auditor. In 2007 haben ich noch die Ausbildung zur Projektleitung abgeschlossen. Bis dann ein neuer Chef kam, der der Meinung war, nee QM will er nicht mehr in seinem Vorzimmer, ab sofort muss Marketing und PR erledigt werden. Somit habe ich dann die diversen Fortbildungen in diesem Bereich durchlaufen und mache unter anderem das Veranstaltungsmanagement in unserer Firma.

Nachdem ich nun gerne meinen Arbeitgeber wechseln möchte stelle ich bei den Bewerbungsgesprächen immer wieder fest, dass die angebotenen Arbeitsbereiche keine Herausforderung mehr für mich darstellen.

Somit komme ich immer mehr zu der Feststellung, dass dieser Beruf einfach nicht mehr in meine Lebenssituation passt. Nur.... was soll kommen? Viele schlaflose Nächte habe ich schon verbracht und überlegt, wo der Weg hingehen soll. Aber wie es ja oftmals so ist, man sieht vor lauter Wald auf einmal die Bäume nicht mehr.

Hat jemand etwas ähnliches erlebt und wenn ja, wie wurde das Problem gelöst, bzw. was waren die beruflichen Alternativen. Gibt es vielleicht den einen oder anderen Tipp im Internet, den ich bisher noch nicht entdeckt habe???

Es würde mich sehr freuen, wenn ich viele Zuschrift bekommen würde. Manchmal sind es gerade die Meinungen von Fremden, die einen oftmals einen neuen Weg zeigen.

An dieser Stelle schon einmal vielen Dank für Eure Unterstützung.

Herzliche Grüße und ein erholsames Wochenende wünscht Euch
Ruth


Antwort: Re: Überqualifiziert, wie geht es weiter?

Kaiserin
(1158 Beiträge)
von esbe am 14.02.2009 um 16:30 zitieren

Hallo Ruth Manuela,

ich kann Dein Lied mitsingen!
Ich habe sogar ein abgeschlossenes wipäd. Studium und schon etliche Jobs gehabt. Bewerbe ich mich bei einer Firma, so ist der Blick tatsächlich immer zuerst darauf, wie alt die Bewerberin ist. Mit Mitte 50 ist man offiziell nicht zu alt, man ist dann gut gelogen \"überqualifiziert\".

Ich habe mich vor über 2 Jahren mit einem Personaler unterhalten und ihn befragt, warum ich nicht in die engere Wahl seines Bewerbungsverfahrens gekommen sei. Erster Grund war mein Alter, ich würde dann ja wohl bei Zeiten in die Altersteilzeit verschwinden wollen.... Wie bitte? Wir müssen doch mittlerweile alle bis mindestens 65 Jahre arbeiten! Zum damaligen Zeitpunkt waren das für mich immerhin noch mehr als 10 Jahre! Also dieses Argument war vom Tisch, da sagt mir dieser Herr, ich würde mit meiner Ausbildung und meinen mittlerweile erworbenen Kenntnissen einem Chef Angst machen bzw. ihn unter Druck setzen, weil ich immer neue Dinge von ihm arbeitstechnisch fordern würde. Und der einsame Alleinkämpfer dort an der Spitze des Unternehmens brauche so eine taffe Frau nicht, eher so ein Mütterchen, die ihm ein bisserl Trost spendet. Ich habe das damals hier schon einmal geschrieben, dass ich nicht der \"Gutschi-Gutschi- Typ\" wäre, der da gefordert wurde.

Ich habe immer wieder Fortbildungen besucht, kenne mich nicht nur im Bereich von word und excel aus, kann mittlerweile mit KHK und Datev arbeiten und versuche immer noch, ein bisschen besser zu werden.

Mittlerweile bin ich wieder in der Situation, mir eine andere Stelle suchen zu müssen. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber sieht es wieder mal mehr als schlimm aus. Aber wer nimmt mich \"Alte\" noch??

Als Rat möchte ich Dir geben, einmal zu überlegen, ob DU Dein Wissen nicht weitervermitteln möchtest. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, als Quereinsteigerin in eine Lehrtätigkeit zu gelangen, sei es im eigenen Unternehmen, in der Erwachsenenbildung oder über Ausschreibungen des Regierungspräsidenten, wenn Berufschullehrer gesucht werden.

Ich finde es unsagbar schade, dass Frauen, die viel geleistet haben und durch Eigeninitiative Fortbildungen ihr Wissen und Können vermehrt haben, so einfach auf der Strecke bleiben sollen. Und diese Parolen, dass mehr ältere Arbeitnehmer gesucht und eingestellt werden, die stimmt m. E. nicht.

Lieber Gruß

esbe

Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.


Antwort: Überqualifiziert, wie geht es weiter?

Newcomer
(4 Beiträge)
von Ruth_Manuela am 14.02.2009 um 17:16 zitieren

Liebe Esbe,

vielen lieben Dank für Deine offenen Worte. Damit hast Du mir genau das bestätigt, was in den letzten Jahren immer mehr mein Eindruck war, den ich gewonnen habe, es mir aber nicht eingestehen wollte. Ja, es ist so. Gut qualifizierte Assistentinnen stellen eine Gefahr für den Chef dar. Da sitzt jemand im Vorzimmer, der kompetenter Ansprechpartner ist. Jemand, mit dem die Mitarbeiter oftmals lieber über ihre Sorgen und Nöte sprechen, als mit dem Chef. Jemand, der auf dem kleinen Dienstweg mal schnell etwas erledigt, ohne viel tam-tam darum zu machen.

Nachdem ich das Glück hatte, in 7 Jahren, 7 Chefs zu erleben, teilweise jünger als ich (ich bin 42 Jahr) waren das teilweise wirklich ganz eigenartige Situationen. Auf der einen Seite die Angst des Chefs, die könnte mir die Butter vom Brot nehmen, auf der anderen Seite, wenn meine \"Vorzimmer-Maus\" (überspitzt ausgedrückt) weg ist, tja, wie geht es dann mit meinem Laden weiter.

Die Idee, in die Erwachsenenbildung zu gehen ist gar nicht schlecht. Dankeschön für die Gedankenanregung, liebe Esbe. Ich lasse es mir durch den Kopf gehen und google mal ein bisschen, wo so Bedarf besteht.

Dir wünsche ich von Herzen, dass Du bald einen für Dich passenden Job findest, der Dich fordert. Wo Du mit Spaß hingehst und jeden Tag mit voller Gelassenheit Dein bestes geben kannst. Und nein.... ich bin der Meinung, dass Alter kein Thema ist. Es sind nur Zahlen, die auf einem Blatt Papier stehen. Letztendlich ist es Erfahrung, soziale Kompetenz und Engagement, die meines Erachten eine gute Mitarbeiterin ausmachen. Also nochmals toi, toi, toi! Alles Gute!

Herzlichst
Ruth


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