Neue Regeln nach der Krise
- Tipps von Vermögensberaterin Constanze Hintze zur Geldanlage -
Seit Januar gelten neuen Regeln für die Geldanlageberatung. Ob sie dadurch besser und die Geldanlagen transparenter und sicherer werden, bleibt abzuwarten. Constanze Hintze von Svea Kuschel + Kolleginnen - Finanzdienstleistungen für Frauen, erläutert, worauf Anlegerinnen und Anleger generell achten sollen.
Susanne, 34-jährige Ingenieurin für Flugzeugbau, kommt zu mir in die Beratung. Ihre Oma hat ihr zur Promotion 25.000 Euro geschenkt.
Verunsicherung bei den Anlegern
Die sollen nun sicher angelegt werden. Sie überlegt, ob sie mit ihrem Lebensgefährten auf die eigene Immobilie sparen soll. Das wäre zumindest ein erster Grundstock. Susanne ist seit der Finanzkrise jedoch verunsichert. Sie ist, wie viele andere Frauen und Männer auch, auf gute Beratung angewiesen. Denn ihre Leidenschaft gehört nun mal anderen Dingen. Die Schlagzeilen, die wir in den letzten Jahren gelesen haben, könnten kaum plakativer klingen. Meist ging es um Banken, deren Angestellte zunehmend unter Verkaufsdruck stehen. Leider hat sich da nicht viel geändert, wie eine umfangreiche Untersuchung des Verbrauchermagazins Finanztest zeigt.
Rücktrittsrecht und mehr Offenheit – Anleger werden gestärkt
Der Gesetzgeber hat reagiert, mit neuen Regeln für die Geldanlageberatung. Seit dem 1. Januar 2010 sind Anlageberater verpflichtet, die Beratung eines Kunden zu dokumentieren. Das sogenannte Anlageberatungsprotokoll ist das eigentliche Herzstück des neuen Rechts. Damit haben die Anlegerinnen und Anleger die Möglichkeit, das Gespräch nochmals in Ruhe nachzuvollziehen. Denn oftmals werden ja nicht nur Informationen ausgetauscht. Es geht um viel mehr, das ist zumindest meine Erfahrung aus zahlreichen Kundengesprächen. Seit mehr als 25 Jahren berate ich Frauen und Männer in Finanzthemen. Eine gute Geldanlageberatung beinhaltet auch immer ein Stück Lebensplanung, also Begeisterung und Aufbruch, aber manchmal auch Zweifel und Vorsicht.
Besonderer Stellenwert: Risikoanalyse
Was aber ist genau Anlageberatung? Der Gesetzgeber definiert das im Kreditwesengesetz. Übersetzt steht da so viel wie: Jede Geldanlage muss zum Anleger passen. Finanzberaterinnen bzw. -berater müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Sie müssen überprüfen, welche Kenntnisse und Erfahrungen die Kunden in Geldanlagen haben und welche Mittel zur Verfügung stehen. Es ist wenig sinnvoll, jeden freien Euro in lang laufende Altersvorsorgeverträge einzuzahlen, wenn die täglich verfügbare Cash-Reserve fehlt. Die Risikoanalyse nimmt einen besonderen Stellenwert ein.
Wie erreiche ich mein Anlageziel?
Ein weiterer Punkt der Anlageberatung ist das "Produkt", also die Geldanlage, um die es geht. Denn schließlich wollen Sie ja eine Empfehlung, was Sie mit Ihrem Geld machen können und wie Sie Ihr Anlageziel am besten erreichen können. Das Produkt, das Ihnen empfohlen wird, muss Ihnen genau vorgestellt werden. Es geht um die Funktionsweise, um die Chancen und Risiken. Mittlerweile gibt es mehr als 8.000 Investmentfonds und – sage und schreibe – mehr als 100.000 verschiedene strukturierte Anlagen bzw. Zertifikate.
Empfehlung muss begründet werden
Warum wird Ihnen genau zu dieser Geldanlage geraten? Vielleicht, weil sie gerade auf dem Marketingplan des Anbieters steht? Um genau das zu verhindern, nämlich den gedankenlosen Produktverkauf, muss die Empfehlung begründet werden. Schauen Sie sich diese Begründung genau an. Stimmen Sie ihr zu, ist die Geldanlage aus Ihrer Sicht gut gewählt. Übrigens: Nun müssen auch die Kosten, die mit der Geldanlage verbunden sind, sehr detailliert aufgezeigt werden.
Weiter lesen
Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Finanzplanung. Bei diesen ganzen Aspekten ist offensichtlich, dass Geldanlageberatung keine Angelegenheit von einer Viertelstunde ist. Wie Sie sich vorbereiten und woran Sie eine gute Beratung erkennen, erklärt Vermögensberaterin Constanze Hintze von
in der aktuellen Ausgabe von working@office.
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Autor(en): Constanze Hintze