Keine Angst vor Pannen
- Business kompakt: Fehlerkultur -
Einen Riesenfehler macht, wer keine Fehler machen will. Denn in ihnen steckt der Kern für persönliches Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg – vorausgesetzt, es herrscht im Betrieb ein gesunder Umgang damit.
Für Briefmarkensammler sind sie nicht selten ein Vermögen wert, im Joballtag kosten sie uns womöglich den Kopf: Fehler sind in unserer perfektionistisch ausgerichteten Welt, in der Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit zu den Primärtugenden zählen, verpönt. Laut einer Studie der Uni Gießen ist Deutschland unter 61 analysierten Ländern das mit der zweithöchsten Fehlerintoleranz weltweit - nach Singapur. "Wer Fehler macht und dabei ertappt wird", meinte Studienautor Professor Michael Frese im Magazin Brandeins dazu, "für den gilt eine ungeschriebene Norm: Er wird zur Sau gemacht." Fehlleistungen würden in den Medien genüsslich zelebriert.
40 Prozent der deutschen Mitarbeiter haben Angst vor Fehlern
Dieser gesellschaftliche Umgang mit kleinen und größeren Malheurs spiegelt sich auch in vielen Betrieben wider. Einem in der Zeit veröffentlichten Studienergebnis der IGS Organisationsberatung, Frechen, zufolge haben 40 Prozent der Mitarbeiter hierzulande Angst vor Patzern. Kein Wunder, denn läuft etwas schief, wird statt einer Lösung oft erstmal nach einem Schuldigen gesucht. Einen Fehler selbst eingestehen? Offentheit gilt in vielen Unternehmen eher als Angriffsfläche, um Vorwürfe und Schuldzuweisungen abzusetzen. "Deshalb wird vertuscht und geschwiegen", hatte Frese erklärt. Nicht nur mit psychischen Folgen, wie der Anstieg von Burnout-Syndromen unter den Beschäftigten zeigt. Auch wirtschaftlich hat es Konsequenzen, wenn ein Unternehmen im Umgang mit Fehlern patzt: Bis zu 20 Prozent weniger Profitabilität, hatten Untersuchungen der Uni Gießen schon vor einigen Jahren ergeben.
Wenn der Umgang mit Fehlern stimmt
Umgekehrt wachsen die positiven Effekte laut Studiie mindestens in gleichem Maße. Mehr Effizienz, Kreativität und Innovationsfähigkeit sind inzwischen auch anderswo vielfach belegt. Voraussetzung ist jedoch eine gesunde Fehlerkultur, wenn also bei Manöverkritik & Co. die Art und Weise stimmt, wie Fehler betrachtet, bewertet und mit ihnen umgegangen wird. Offen und lösungsorierntiert beispielsweise, wie bie der ING-DiBa Ag in Frankfurt am Main: "Eine gesunde Fehlerkultur ist für mich, wenn Mitarbeiter und Führungskräfte Kritikfähigkeit mitbringen, wenn sie akzeptieren, dass trotz aller Bemühungen Fehler passieren können", meint Tanja Rapp, Assistenz des Personalleiters bei "Deutschlands beliebtester Bank 2011". "Wir wissen schließlich alle: Nobody is perfect."
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Worin Unternehmen ihre große Chance sehen, wie man Fehler für den Erfolg nutzt und wie man im Fehlermanagement methodisch herangeht, lesen Sie in working@office 2/2012.
Autor(en): Karin Pfeiffer
Quelle: working@office Ausgabe Nr.: 2012-02
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